Weiter zum Inhalt

Väter im Familienalltag: Studie Männerperspektiven

Das Niedersächsische Landesarbeitsforum "Aktive Vaterrolle" nimmt mit einer Reihe von Online-Fachgesprächen Chancen und Herausforderungen der Väterarbeit in den Blick. Unter dem Titel "Väter im Familienalltag: Erziehung, Sorge, Partnerschaft" sind Fachkräfte und alle an Väterarbeit Interessierten dazu eingeladen.  Am 20. Februar 2024 stand die Studie "Männerperspektiven. Einstellungen von Männern zu Gleichstellung und Gleichstellungspolitik" im Mittelpunkt.

Karsten Kassner, Referent für Grundsatzfragen im Bundesforum Männer, stellte die vom Bundesforum Männer in Auftrag gegebene repräsentative Studie vor. Sie zeigt: Ein großer Teil der Männer schätzt Gleichstellung als wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft ein. Jüngere Männer stimmen der Aussage "Gleichstellung ist wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft" jedoch deutlich weniger zu als ältere Männer ab 50 Jahren. Zugleich nehmen die Zustimmungswerte für eine aktive, offensive Gleichstellungspolitik ab.

"Für eine Partnerschaft ist es gut, wenn beide berufstätig sind": Dieser Aussage stimmen 83% der befragten Männer "voll und ganz zu" oder "eher zu". Im Zeitverlauf ist die Zustimmung kontinuierlich gewachsen. Die Befürchtung, dass Teilzeitarbeit die Berufskarriere gefährdet, hat im Vergleich zu 2015 etwas abgenommen. 17% der Männer stimmten dieser Aussage in der aktuellen Befragung zu. Und auch die Auffassung, dass Teilzeitarbeit im jetzigen Beruf nicht möglich sei, wird nur von etwa einem Viertel der Befragten vertreten.

Der weit überwiegende Teil von Männern mit Kindern ist der Auffassung, dass es in Unternehmen für Väter genauso akzeptiert sein sollte wie für Mütter, ihre Erwerbsarbeit zu reduzieren, um sich um die Kinder zu kümmern. Und wer sollte sich in den ersten Monaten nach der Geburt um ein Kind kümmern? Eher die Mutter, meinen mehr als 80% der befragten Männer ab 18 Jahren. 38% sind (eher) der Ansicht, dass der Mann zu Hause bleiben und sich um das Kind kümmern sollte. Eine Schnittmenge von 21% der Befragten hält es für wichtig, dass Frau und Mann in den ersten Monaten beim Kind bleiben.

Die Einstellungen haben sich demnach positiv in Richtung einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit gewandelt, unterstützt von den mittlerweile etablierten Möglichkeiten der Inanspruchnahmen von Elterngeld und Elternzeit. Das Bundesforum Männer setzt sich hier für eine Ausweitung der gemeinsamen Bezugsdauer ein und fordert die Umsetzung der Freistellung für Väter in den ersten zwei Wochen nach der Geburt eines Kindes, die im Koalitionsvertrag vereinbart wurde.

Männer sind mehrheitlich der Auffassung, dass Gleichstellung noch (lange) nicht erreicht ist und Gleichstellungspolitik sich noch zu wenig mit den Anliegen von Männern befasst. Zudem sind 46% der Männer der Ansicht, dass die Bedürfnisse und Anliegen sowohl von Männern wie von Frauen zu wenig im Fokus von Gleichstellungspolitik stehen. Die Studie unterscheidet in einer Männer-Typologie drei Gruppen von Männern im Hinblick auf die Zustimmung zu einer aktiv-offensiven Gleichstellungspolitik, die etwa gleich groß sind: Ein gutes Drittel der Befragten steht einer aktiv-offensive Gleichstellungspolitik (eher) positiv gegenüber, ein weiteres Drittel zeigt eine distanzierte Akzeptanz, aber kaum Interesse an Gleichstellungspolitik. Ein Drittel der befragten Männer spricht sich gegen eine weiter gehende Gleichstellungspolitik aus. 10% dieser Gruppe positionieren sich deutlich gegen Gleichstellung. Sie sprechen sich dafür aus, an "der bewährten natürlichen Geschlechterordnung" festzuhalten. Von einer solchen antifeministischen bzw. maskulinistischen Haltung distanzieren sich zwei Drittel aller Befragten, ein weiteres Drittel der Männer zeigt sich jedoch für einzelne Thesen und Argumente der Maskulinisten empfänglich.    

Welche gleichstellungspolitischen Erwartungen haben Männer? Diese betreffen sowohl die Arbeitswelt als auch die partnerschaftliche Aushandlung von Erwerbs- und Sorgearbeit: Männer wünschen sich eine größere Akzeptanz in Unternehmen für die Entscheidung, die Erwerbsarbeit zu reduzieren, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Und auch innerhalb der Partnerschaft sollte Männern und Frauen gleichermaßen zugestanden werden, ihre Erwerbsarbeit zu unterbrechen, um sich um ihre Kinder zu kümmern, meinen 87% der Befragten. Große Zustimmung gibt es auch für die Aussage "Bei Trennungen sollten Väter und Mütter die gleichen Chancen haben, die Betreuung der Kinder und Erwerbsarbeit untereinander gleich aufzuteilen."

Welche gleichstellungspolitischen Maßnahmen halten Männer für nützlich? Hier zeigt die Studie hohe Zustimmung zu dem Anliegen, mehr Männer für soziale Berufe zu gewinnen. Für ebenso relevant halten die Befragten ein bundesweites Netz von Beratungsangeboten für Männer und Jungen als Täter und Opfer von Gewalt. Mehr als Dreiviertel sehen eine Ausweitung der Partnermonate beim Elterngeld als nützliche gleichstellungspolitische Maßnahme an.

Aus Sicht des Bundesforum Männer zog Karstner Kassner das Fazit aus den Studienergebnissen: Gleichstellungspolitik muss Männer differenziert und zielgruppenspezifisch adressieren. Aktive Befürworter einer aktiven Gleichstellungspolitik sollten weiter ermutigt, bestärkt und unterstützt werden. Einladende und einbeziehende Maßnahmen sollten sich an diejenigen wenden, die bisher wenig an Gleichstellung interessiert oder skeptisch sind. Gleichzeitig sollten harte Gegner und Vertreter antifeministischer Positionen klar begrenzt werden.

 

Zum Bundesforum Männer:
Das Bundesforum Männer mit 38 Mitgliedern und Geschäftsstelle in Berlin setzt sich für eine gleichstellungsorientierte Männerpolitik ein. Es vertritt die Bedarfe von Jungen, Männern und Väter in all ihrer Vielfalt. In Solidarität mit Mädchen, Frauen und allen Geschlechtern sieht sich das Bundesforum Männer als Teil einer gemeinsamen Bewegung für mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Niedersächsisches Landesarbeitsforum "Aktive Vaterrolle"
Das Referat für Familienpolitik des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung koordiniert die Arbeit des Landesarbeitsforums "Aktive Vaterrolle". Ziel ist es, die Partnerschaftlichkeit in der Familie über die Stärkung einer aktiven Vaterrolle und die Vermittlung eines neuen Rollenverständnisses innerhalb der Familie voranzubringen. Die Veranstaltungsreihe mit Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Bereichen möchte den fachlichen Austausch dazu fördern.