Das Heranwachsen der Kinder auch eine Herausforderung für Eltern

Jugendliche bewegen sich zwischen den Polen "Familie" und "Eigene Welt". Sie nehmen Abschied von der Kinderwelt und starten in einen neuen Lebensabschnitt. Dies ist eine große Herausforderung für die Jugendlichen selbst und auch für die Eltern, die ihre Kinder bei dem Prozess des Erwachsenwerdens begleiten. Lesen Sie hier, was Erwachsenwerden für Jugendliche bedeutet und welche Erwartungen an sie gestellt werden.

Um als Vater seine jugendlichen Kinder zu verstehen, ist es wichtig, die Welt der Jugendlichen zu kennen. Ausschnittweise darf man als Vater daran teilhaben. Aber eben nur ausschnittweise, denn zum Erwachsenwerden gehört auch dazu, eigene Erfahrungen zu machen, eigene Freundschaften zu finden und Wege ohne Eltern zu beschreiten.

Die Welt der Jugendlichen unterscheidet sich oft ganz wesentlich von der Welt der Eltern und Erwachsenen. Um sich von den Eltern abzugrenzen, nutzen Jugendliche etwa eine eigene Sprache und einen eigenen Kleidungsstil. Die Gruppe der Freunde und Freundinnen, die sogenannte peer-group, übt einen großen Einfluss auf die Jugendlichen aus. Sie werden im pädagogischen Sinn zu "Miterziehern".

Auch körperlich haben Jugendliche starke Veränderungen erlebt und erleben sie noch weiter. Viele empfinden diese Veränderungen als irritierend und verunsichernd.

Neben der körperlichen Situation verändert sich auch die soziale Rolle. Aus einem Kind soll sich ein erwachsener Mensch entwickeln. Klaus Hurrelman, Professor mit den Aufgabengebieten Sozialisations- und Bildungsforschung an der Universität Bielefeld, hat folgende Entwicklungsaufgaben für die Adoleszenzphase (Phase des Heranwachsens) klassifiziert:

  • Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, um selbstverantwortlich schulischen und anschließend beruflichen Qualifikationen nachzukommen, mit dem Ziel, eine berufliche Erwerbsarbeit aufzunehmen und dadurch die eigene ökonomische und materielle Basis für die selbstständige Existenz als Erwachsener zu sichern.
  • Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle und des sozialen Bindungsverhaltens zu Gleichaltrigen des eigenen und des anderen Geschlechts, Aufbau einer heterosexuellen Partnerbeziehung, die langfristig die Basis für die Erziehung eigener Kinder bilden kann.
  • Entwicklung eines eigenen Wert- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins, das mit dem eigenen Verhalten und Handeln in Übereinstimmung steht, so dass langfristig ein verantwortliches Handeln in diesem Bereich möglich wird.
  • Entwicklung eigener Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes und des kulturellen Freizeitmarktes, mit dem Ziel, einen eigenen Lebensstil zu entwickeln und zu einem autonom gesteuerten und bedürfnisorientierten Umgang mit den entsprechenden Angeboten zu kommen.

Demnach wird eine sehr große Anpassungsleistung von Pubertierenden verlangt. Dies bedeutet eine Belastung, die auch zu einer starken Beanspruchung der jugendlichen Psyche führen kann. Erwachsenwerden ist ein Wechselspiel vom Erfahren von Grenzen, vom Ausloten und vom Finden des eigenen Neuen. Eltern stehen dieser Zeit oft hilflos gegenüber. Die Welt der Jugendlichen bleibt eine eigene und für Eltern oft auch fremde Welt. Jugendliche erleben ihre Eltern in dieser Lebensphase nicht immer als hilfreich. Andererseits benötigen Jugendliche trotzdem die Begleitung durch die Erwachsenen, die diesen Übergang durch Pubertät und Adoleszenz schon hinter sich haben. Junge Menschen brauchen in dieser Zeit viel Zuwendung, Liebe, Aufmerksamkeit. Gleichzeitig brauchen sie Regeln, die ihnen Orientierung geben können. Sie benötigen Verständnis und Unterstützung, um ihre Gefühle zuordnen zu können. Hier sind Eltern gefordert, Halt zu bieten und den Jugendlichen vorzuleben, wie ein erwachsenes Leben gelingen kann.


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Broschürentipp zum Thema

  • "Über Sexualität reden... Die Zeit der Pubertät"
    Die Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert Mütter und Väter, wie sie ihre Kinder in der Zeit der Pubertät unterstützen können. Sie stellt die psychischen und körperlichen Veränderungen dar und gibt Einblick, wie Kinder die ersten Erfahrungen mit Liebe, Zärtlichkeit und Beziehungen machen. Dafür finden Eltern Anregungen zum Gespräch mit ihren Kindern über Fruchtbarkeit und Verhütung. Sie finden die Broschüre "Über Sexualität reden... Die Zeit der Pubertät" auf der Website der BZgA.

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