Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen

Konfoederation-evangelischer-Kirchen-in-NdsDie Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen besteht aus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe. Die fünf Kirchen haben sich zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Land Niedersachsen gemeinsam zu vertreten und Gemeinschaftsaufgaben wahrzunehmen. Leitungsgremium ist der Rat der Konföderation. Vorsitzender des Rates der Konföderation ist zurzeit der hannoversche Landesbischof Ralf Meister.

Zu den Einrichtungen der Konföderation gehören die Evangelische Erwachsenenbildung, der Kirchliche Dienst in Polizei und Zoll, der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) und der Verband Evangelischer Publizistik Niedersachsen-Bremen, in dem auch die Bremische Evangelische Kirche Mitglied ist. Zwei Bevollmächtigte vertreten die Konföderation beim Landtag und in Schulangelegenheiten.

Im Kurzinterview: Ina Vorwerk

Ina Vorwerk vertritt im Landesarbeitsforum die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Frage: Wo gibt es Berührungspunkte zwischen der Arbeit der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und dem Thema "Aktive Vaterrolle"?
Zwei Punkte möchte ich nennen:
1. die praktische Arbeit mit Vätern
Zur kirchlichen Männerarbeit und zur Evangelischen Erwachsenenbildung gehört die Arbeit mit Vätern: Beratung in Erziehungsfragen, Väterarbeit in Kitas, Vater-Kind-Gruppen usw. Selbstverständlich sind Angebote für Familien wie z.B. Familienfreizeiten auch für Väter konzipiert.

2. das Reflektieren der eigenen Vaterrolle:
Das Nachdenken über Vorbilder im Vatersein und das Vordenken zum Vatersein der Zukunft, also die kritische Auseinandersetzung mit biblischen und weltlichen Vätern gehört zum christlichen Glauben. Die Bibel ist voller Geschichten von Vätern, die ganz unterschiedlich ihre Rolle leben. Da ist z.B. der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er übernimmt aktiv die Erziehung seiner Söhne. Seinem Jüngsten gewährt er erst Freiheit und organisiert dann dem, der das Erbe verprasst hat und als Gescheiterter zurückkehrt, ein Willkommensfest - nicht ohne nebenbei den sich anbahnenden Konflikt mit dem älteren Sohn zu schlichten.

Ein Beispiel für (vermeintliche) väterliche Passivität, zumindest in der christlichen Bildsprache, ist Josef, der schweigsam und unbeweglich neben der Krippe mit dem Jesuskind steht. Seine Aktivität als Organisator der Flucht kurz nach der Geburt des Kindes und Annahme eines Sohnes, der nicht von ihm gezeugt wurde, spielt sich im Hintergrund ab.

Die christliche Tradition verschweigt aber auch nicht die Verletzlichkeit, das Scheitern, die Scham, wenn ein aktiver Vater seinem Anspruch nicht gerecht wird. Noah zum Beispiel, der Held der Arche, Retter der Menschheit, zeigt seinen Söhnen betrunken die Blöße. Alkoholsucht zerstört die familiäre Gemeinschaft.

Gläubigen Christ*innen ist übrigens das aktive Vatersein ständig präsent. Sie reden im Vaterunser-Gebet Gott mit "Vater" an.

Frage: Wie sehen Sie die Rolle der Väter in Familien heute?
Die Gleichberechtigung der Geschlechter als Ideal für ein gutes, friedliches Miteinander ist heute für viele auch im privaten Familienleben selbstverständlich. Insofern ist die Rolle eines Vaters die eines Elternteils. Welche Rolle dabei das jeweilige Geschlecht spielt und wie stark diese ausgeprägt ist, ist von Familie zu Familie sehr unterschiedlich. Laut Väterreport der Bundesregierung wollen 60 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei sich die Erziehung ihrer Kinder teilen. Ihr Ideal: um die 30 Stunden Arbeit für beide. Väter und Mütter noch nicht erwachsener Kinder im Jahr 2018 sind oftmals bereits mit einem Verständnis von Gleichberechtigung und einer aktiven Vaterrolle aufgewachsen. Werden jedoch Berufstätige selbst zu Eltern, ändert sich die Rollenaufteilung meistens schlagartig. Unter den berufstätigen Eltern minderjähriger Kinder arbeiten nur 6 Prozent der Väter in Teilzeit im Vergleich zu 66 Prozent der Mütter. Männer verbringen im Durchschnitt nur zwei Stunden und 46 Minuten pro Tag mit der Care-Arbeit im Vergleich zu vier Stunden und 13 Minuten der Frauen. Wobei zur familiären Sorgearbeit neben der Kindererziehung in einer alternden Gesellschaft zunehmend die Pflege der eigenen Eltern gehört.

Frage: Welche Unterstützung benötigen junge Familien und insbesondere junge Väter aus Ihrer Sicht?
An dieser Stelle kann ich nur längst Bekanntes nennen: Haus- und Familienarbeit wertschätzen, auch finanziell; flexible Arbeitszeiten sowie Telearbeit/ Homeoffice, den Aufstieg auf der Karriereleiter nicht an 100%-Stellen knüpfen, also Führungspositionen für Tandems.
Die Rolle von Vätern zu stärken heißt auch, Frauen nach der Geburt eines Kindes den Wiedereinstieg in Ausbildung oder Beruf zu erleichtern.
Jungen und junge Erwachsene müssen bereits in der Schule aufs Vatersein vorbereitet werden: Sie brauchen Kompetenzen in Kochen, Putzen, Organisieren der Hausarbeit, die Sensibilität für Erziehungsfragen und den Mut sich bei Bedarf Hilfe zu suchen.

Frage: Wie kann Väterarbeit in Niedersachsen weiterentwickelt werden?
Neben den politischen Rahmenbedingungen und den eben genannten Angeboten gilt es weiterhin, das Bewusstsein zu fördern, dass Gleichberechtigung der Geschlechter in der Familie gut ist für alle Beteiligten. Studien zeigen: Männer, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, lassen sich seltener scheiden, sind gesünder und zufriedener mit ihrem Leben. Und auch im "reichen Deutschland" sollten Frauen nicht nur geringfügig berufstätig sein, ansonsten droht ihnen im Alter oder nach einer Scheidung die Armut.
Verantwortliche in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche dürfen nicht müde werden zu sagen: Kinder brauchen Väter und Mütter, Erwachsene, die Zeit haben, sich auf ihren Bedürfnisse einzulassen, ohne sich von einem Anruf der Chefin unterbrechen zu lassen oder auf Mails im Smartphone zu schielen. Vorbilder tun not. Das ist eine Herausforderung für Männer in Führungspositionen. Die Sitzung muss rechtzeitig enden, da der Chef zum Elternabend in die Schule geht.

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Kontakt
Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
Ina Vorwerk
Rote Reihe 6
30169 Hannover

Telefon (0511) 124 12 13
Fax (0511) 124 17 76
ina.vorwerk@evlka.de
www.evangelische-konfoederation.de

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