Die Geburt

Mit der Geburt beginnt der vielleicht spannendste Moment des Vater-Werdens. Nach den miterlebten Monaten der Schwangerschaft entsteht bei vielen Männern der Wunsch, auch bei der Geburt dabei zu sein. Doch wie können sie sich daran aktiv beteiligen, wo doch die Hauptaufgabe der Geburt bei der Partnerin liegt? Was ist mit den Männern, die dem Geburtsszenario lieber fern bleiben wollen?

Dabei sein - Väter und Geburt
Bis zum Beginn der 1970er Jahre war die Geburt eines Kindes meistens reine Frauensache. Männer warteten im besten Falle vor der Tür auf den ersten Schrei ihres Kindes. Mittlerweile ist es ganz normal, wenn ein Mann seine Partnerin in den Kreissaal begleitet. Verschiedene Schätzungen nennen derzeit einen Anteil von etwa 90 bis 95 Prozent der bei der Geburt anwesenden Väter.

Sinnvoll ist es, wenn sich die werdenden Eltern schon während der Schwangerschaft Gedanken darüber machen und sich austauschen, ob der Mann bei der Geburt dabei sein will und darf. In den meisten Fällen wollen beide die Geburt gemeinsam erleben. Viele Frauen empfinden die Anwesenheit ihres Partners als große Unterstützung.

Wenn die Partnerin dies jedoch nicht möchte, muss der Mann ihre Entscheidung respektieren. Umgekehrt sollte sich auch kein werdender Vater zur Anwesenheit während der Geburt gezwungen fühlen. Es gibt kein muss. Beide werden ihre Gründe für die jeweilige Entscheidung haben.

Aufgaben des Vaters während der Geburt
Für Väter, die bei der Geburt ihres Kindes dabei sein wollen (und können), stellt sich die Frage nach den eigenen Aufgaben. Diese können ganz unterschiedlicher Art sein:

  • Werdende Väter sollten sich in einem geeigneten Geburtsvorbereitungskurs über die Abläufe während der Geburt und über eventuelle Komplikationen informieren.
  • Der Vater kann die Kommunikation zwischen seiner gebärenden Partnerin, der Hebamme und dem Klinikpersonal unterstützen. Wenn seine Partnerin mit dem Geburtsvorgang beschäftigt oder zu erschöpft ist, kann der Vater Wünsche und Erklärungen weiter geben und wiederholen.
  • Der Vater versorgt die Frau während der Geburt mit allem Nötigen, um ihr den Geburtsvorgang so gut es geht zu erleichtern. So kann er ihre kleinen Wünsche wie etwa nach einem Getränk erfüllen.
  • Der Vater kann der Partnerin die Hand halten. Das gibt das Gefühl da zu sein, auch wenn er meint, gerade nichts tun zu können.
  • Er kann seine Partnerin bei der Haltung der jeweiligen Gebärposition nach ihrer Anweisung unterstützen, ihr buchstäblich den Rücken stärken.
  • Der Vater kann der Partnerin Zuspruch durch Lob und Motivation zum Weitermachen geben.

Die werdende Mutter hat in der Regel für die Geburt eine Tasche für sich und das Baby vorbereitet. Doch auch der Vater sollte eine Tasche packen, um für die Zeit der Geburt alles Nötige dabei zu haben. Dazu gehören etwa:

  • warme Socken, Hausschuhe, Kulturbeutel
  • bequeme Kleidung zum Wechseln
  • Getränke
  • kleine Zwischenmahlzeit zur Stärkung
  • Öl für eine stärkende/entspannende Massage der Partnerin
  • Bücher oder Musik zum Zeitvertreib, falls es länger dauert
  • Krankenkassenkarte, eigene Geburtsurkunden
  • Fotoapparat (Bitte mit der Partnerin absprechen, wann Fotos gemacht werden dürfen!)

Ganz wichtig: Bei einer Hausgeburt stehen die Koffer für beide natürlich auch für alle Fälle bereit!

Über technische Geburtshilfen informieren
Eine Geburt kann, besonders bei Entbindungen in einer Klinik, von verschiedenen technischen Hilfsmitteln unterstützt werden. Über deren Einsatzmöglichkeiten können sich die Eltern vorab bei ihrer behandelnden Ärztin oder bei ihrem behandelnden Arzt informieren. Im Wesentlichen sind das:

  • Das Cardiotokogramm (CTG): Es dient zur Messung der Herzfrequenz des Kindes während der Geburt. Es wird auch bei Hausgeburten und im Geburtshaus zur Kontrolle eingesetzt.
  • Zur Kontrolle der ausreichenden Sauerstoffversorgung des Kindes während der Geburt kann ihm ein Tropfen Blut entnommen werden. Dies geschieht über die Kopfhaut des Kindes, während es noch im Geburtskanal steckt. Das Blutgasanalysegerät zeigt die Befunde an.
  • Mit dem Infusiomat wird die Zugabe von Wehen fördernden und Wehen hemmenden Mitteln gesteuert.
  • Mithilfe des Blutdruckmessgerätes lässt sich der Blutdruck der Gebärenden überprüfen.
  • Auf Wunsch der Frau oder bei sehr großen Geburtsschmerzen kann die Peridualanästhesie (PDA) durchgeführt werden. Sie stellt eine örtliche Narkotisierung der unteren Körperhälfte da.

Über den Einsatz der jeweiligen Maßnahmen entscheiden die Ärztinnen, Ärzte und Hebammen nach Bedarf. Der Vater kann aber den Kontakt zum Team halten und durch Nachfragen eventuell aufkommende Unsicherheiten zum Einsatz dieser Maßnahmen klären und an die Partnerin weitergeben.

Besondere Geburtssituationen meistern
Bestimmte Geburtssituationen können auch den Einsatz der Geburtszange oder einer Saugglocke erforderlich machen. Wenn das Kind in der Austreibungsphase im Becken stecken bleibt und die Geburt nicht zügig genug voranschreitet, sprechen vor allem zwei Gründe für den Einsatz dieser Geburtshilfen:

  • Der Kopf des Kindes steht schon tief im Becken der Frau und Herztonveränderungen weisen auf einen drohenden Sauerstoffmangel hin.
  • Trotz Wehenmittel zieht sich die Geburt zu lange hin und die Mutter ist schon sehr erschöpft.

Die speziell geformte Geburtszange wird um den Kopf des Kindes gelegt. Das Herausziehen mithilfe der Zange erfordert viel Erfahrung und wird in Deutschland nur noch selten angewandt.

Die metallene Saugglocke saugt sich mittels eines durch eine Vakuumpumpe erzeugten Unterdruckes an den Kopf des Kindes. Dieses wird dann im Rhythmus der Wehen durch den Scheidenkanal herausgezogen.
Beide Methoden erfordern meist einen Dammschnitt und eine lokale Betäubung. Sie sind in einigen Fällen das letzte Mittel, dem Kind ohne Kaiserschnitt eine vaginale Geburt zu ermöglichen.

Auch bei der Durchführung eines Kaiserschnittes kann der Vater in der Regel im Operationssaal bleiben. Ein Vorhang trennt dann ihn und die Frau vom OP-Geschehen. Bei Durchführung einer PDA kann der Mann der Partnerin die Hand halten, sie ermutigen und beruhigen, die Verbindung zu den Ärztinnen und Ärzte sowie zur Hebamme gewährleisten, und das Baby mit in Empfang nehmen.
(gw)

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www.hebammen-niedersachsen.de
Informationen zur Geburt im Krankenhaus bietet Ihnen die Website des Hebammenverbandes Niedersachsen e.V. Auch zum Geburtshaus oder zur Geburt zu Hause finden Sie hier Vor- und Nachteile sowie weiterführende Hinweise.

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