LAG Familien-Bildungsstätten

LAG-Familien-Bildungsstaetten-NdsDie Familien-Bildungsstätten in Niedersachsen erreichen Menschen aller Altersstufen und aller sozialen Schichten. Mehr als 25 Einrichtungen gibt es zwischen Göttingen und Stade, zwischen Wilhelmshaven und Wolfsburg. Honorarkräfte und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Niedersächsischen Familien-Bildungsstätten tätig. Auch zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit. Referentinnen und Referenten bringen fachliche und persönliche Kompetenzen in ihr Arbeitsfeld ein. Träger sind die Evangelische und die Katholische Kirche, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz und die Volkshochschule. Die Arbeit wird über Teilnahmegebühren, Zuschüsse der Träger, des Landes und der Kommunen finanziert.

Der Auftrag der Familien-Bildungsstätten gründet sich auf das Sozialgesetzbuch, Achtes Buch Kinder- und Jugendhilfe, § 16 und auf die Förderrichtlinien des Landes Niedersachsen. Familien stärken - Zukunft sichern - das ist das gemeinsame Ziel der Familien-Bildungsstätten in Niedersachsen. Die gute Zusammenarbeit aller Verantwortlichen ist die Basis, um Familien auch in Zukunft in ihrem Lebensalltag zu begleiten und zu unterstützen.


Im Kurzinterview: Karsten Piehl

Karsten-Piehl_LAG-FamilienbildungsstaettenKarsten Piehl ist Geschäftsführer der Ev. Familienbildungsstätte Wolfsburg und vertritt im Landesarbeitsforum die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Familien-Bildungsstätten Niedersachsen. Mehr als 25 Einrichtungen zwischen Göttingen und Stade, zwischen Wilhelmshaven und Wolfsburg arbeiten in der LAG mit der gemeinsamen Zielsetzung "Familien stärken - Zukunft sichern" zusammen. Die Familien-Bildungsstätten gehören damit zu den großen Bildungsträgern im Land Niedersachsen.

Frage: Wo sind die Berührungspunkte Ihrer Arbeit mit dem Thema "Aktive Vaterrolle"?
Das Vater-Sein und dessen Bedeutung im familiären Alltag hat schon von Beginn an in der Arbeit der Familien-Bildungsstätten eine Rolle gespielt. Gezielte Angebote für Väter nahmen schon früh Einzug ins Programm. Spätestens jedoch im Rahmen des sich scheinbar nur langsam aber stetig verändernden Rollenverständnisses und des gesellschaftlichen Rollenbildes von Vätern, bekommt die Arbeit rund um die "aktive Vaterrolle" konzeptionell und strukturell eine wachsende Bedeutung. Das öffentliche Bewusstsein für die Gleichstellungsthematik wächst, das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" ist in einigen Unternehmen in den Entwicklungsfokus gerückt. Das spiegelt sich natürlich auch in unserer Arbeit wider. In diesem "Entwicklungsprozess" nimmt die "aktive" Vaterrolle mehrdimensional Einfluss auf unsere Arbeit, z.B. auch in Angeboten, die eher von Müttern und anderen Familienangehörigen wahrgenommen werden.

Frage: Wie sehen Sie die Rolle der Väter in Familien heute?
Die Frage lässt sich genauso wenig konkret beantworten, wie es Patentrezepte in der Erziehung von Kindern gibt. Die Vaterrolle lässt sich nicht pauschalisieren, sondern hängt stark von den jeweiligen Persönlichkeiten der Väter, aber auch anderer im Familiensystem ab. Es können so ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen und Muster entstehen, die wiederrum die Rolle des Vaters in dem System beeinflusst. Das Rollenverständnis ist also beispielsweise abhängig von Sozialisationserfahrungen, dem sozialem aber auch beruflichen Umfeld, den persönlichen Erwartungen der Väter und solchen von außen. Diese Faktoren nehmen massiv Einfluss darauf, wie sich Väter sehen können und sehen wollen, aber auch von außen gesehen werden. Die familiären, sozialen und kulturellen Hintergründe der Familien lassen mitunter deutliche Unterschiede in dem Rollenbild der Väter erkennen. Den Blick auf individuelle Einflussfaktoren und den Menschen an sich nicht zu verlieren, ist in der allgemeinen Diskussion über die Vaterrolle und insbesondere in unserer Arbeit ein entscheidendes Kriterium.

Selbstverständlich lässt sich im gesellschaftlichen Kontext beobachten, dass sich die Vaterrolle im "Wandel" befindet - im Vergleich zum Rollenverständnis der Väter beispielsweise vor einigen Jahrzehnten. Väter setzen sich inzwischen immer bewusster mit ihrer Rolle und dessen Bedeutung im familiären Zusammenhang auseinander. Einige distanzieren sich von dem "traditionellen" Rollenverständnis und wollen sich mehr in familiäre Belange wie Erziehung und Haushaltsaufgaben einbringen. Dies wird natürlich auch dadurch bedingt, dass sich immer mehr Frauen bewusst auch für die Karriere entscheiden oder berufstätig sein müssen, weil ein Gehalt pro Familie zum Auskommen nicht ausreicht. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Elternzeit, Erziehung und Familienzeit nehmen immer weiter zu.

Frage: Welche Unterstützung benötigen junge Familien und insbesondere junge Väter aus Ihrer Sicht?
Gerade in der eben beschriebenen Beobachtung liegt ein großer Auftrag zur Unterstützung: In der Familienpraxis sieht die Verteilung von "Mutter"- und "Vater"- bzw. die "Elternzeiten" oftmals noch alles andere als ausgewogen aus. Die vorhandenen Angebote werden erst von wenigen Vätern in Anspruch genommen. Väter scheuen sich oftmals noch davor, Elternzeit zu beantragen oder ihnen wird es von außen nicht zugetraut, sich entsprechend um die Kinder zu kümmern.

Nicht nur die Väter, sondern auch alle anderen Familienmitglieder in diesem Rollenbewusstsein und ihrer -entwicklung zu unterstützen ist aus meiner Sicht sehr bedeutsam. Dies betrifft mehrere Dimensionen, sowohl Bereiche wie Elternzeit, Haushalt, Erziehung, aber inzwischen auch die Pflege von Angehörigen. Die wichtigsten Auseinandersetzungen spielen sich in den Fragestellungen ab: Was wollen die einzelnen (verantwortlichen) Familienmitglieder von sich und anderen? Wie verstehen sie sich als Eltern, als Paar und als Einzelpersonen? Welche Bedürfnisse haben sie, welche Wünsche und Herausforderungen? Insbesondere bei der Verteilung und Übernahme von Aufgaben innerhalb des Familienalltags können Herausforderungen entstehen, die sich dadurch reduzieren lassen, wenn im Vorfeld eine Auseinandersetzung und bestenfalls ein Konsens zwischen den Verantwortlichen mit diesen Fragen stattgefunden hat. Unsere Aufgabe ist es also, Familien und hier auch die Väter mit entsprechenden Angeboten auf diesem Weg zu begleiten, zu unterstützen und zu stärken - und das bestenfalls, noch bevor das erste Kind geboren wird.

Am Rande des Familiensystems sollte meiner Meinung nach die Unterstützung nicht aufhören. Insbesondere im Themenfeld der Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, braucht es die Betriebe und Unternehmen. Hier werden schließlich die Möglichkeiten für ein familienfreundliches Arbeitsumfeld für Väter und Mütter geschaffen.

Frage: Wie kann Väterarbeit in Niedersachsen sinnvoll weiterentwickelt werden?
Eine anhaltende Auseinandersetzung auf unterschiedlichsten Ebenen mit diesem Themenkomplex ist regional, aber auch landes- und bundesweit wichtig. Die Bildung von Netzwerken, eine Entwicklung und Unterstützung von Bildungsangeboten, Initiativen und Verbänden, sowie eine intensive politische Auseinandersetzung mit der sich im Wandel befindenden "Vaterrolle" und deren Konsequenzen, ist vielerorts kein Vermeidungsthema mehr. Das Bewusstsein hierfür wächst.
Ich sehe die größte Notwendigkeit darin, die Arbeit in Netzwerken, Bildungsinstitutionen, sozialen Einrichtungen und Verbänden weiter auszubauen. Dies kann durch strukturelle, konzeptionelle oder finanzielle Unterstützung geschehen.

Anderseits ist ebenso wichtig durchzuhalten und sich darauf einzustellen, dass zum Teil dicke Bretter gebohrt werden müssen. Das betrifft insbesondere die Betriebs- und Unternehmensperspektive. Hier wird die Sinnhaftigkeit einer Vereinbarkeit vielleicht schon gesehen, in der Praxis wird es aber oftmals schwierig, die Rolle des Vaters (und auch der Mutter) zu unterstützen und zu fördern. Der Blick auf "best practice" Beispiele (nicht nur innerhalb Deutschlands) und die Aufklärung über Möglichkeiten von Arbeitszeitregelungen, sowie der Ausbau an Unterstützung und Betreuung kann dabei helfen.

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www.familienbildung-nds.de

Kontakt
Karsten Piehl
Ev. Familienbildungsstätte im Haus der Kirche
An der Christuskirche 3a
38440 Wolfsburg

Telefon 05361 / 893 33 10
Telefax 05361 / 893 33 28
k.piehl@fabi-wolfsburg.de
www.fabi-wolfsburg.de

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