Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

MS-Nds_WappenDas Referat für Familienpolitik des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung hat unter anderem die Aufgabe, die Partnerschaftlichkeit in der Familie zu fördern. Hierzu gehört die Stärkung einer aktiven Vaterrolle genauso wie die Förderung eines neuen Rollenverständnisses in der Familie.

Ein Ergebnis ist die Gründung des Landesarbeitsforums "Aktive Vaterrolle", das auf Initiative des Sozialministeriums Fachkräfte sowie Expertinnen und Experten aus den Ressorts der Landesregierung sowie von freien Trägern gemeinsam zusammengeführt hat. Das Landesarbeitsforum begleitet die Aktivitäten und Projekte des Landes in diesem Bereich.
Das Familienreferat des Sozialministeriums hat die Koordination, Moderation und Geschäftsführung übernommen.

Im Kurzinterview: Katrin Harms

Katrin-Harms_MSKatrin Harms, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, ist zuständige Referentin für die Väterarbeit in Niedersachsen und koordiniert die Arbeit des Landesarbeitsforums. Sie hat die Entwicklung des Handlungskonzepts Zukunftsorientierte Väterpolitik in Niedersachsen begleitet. Ziel der darin beschriebenen Maßnahmen ist es, die Aufmerksamkeit für die Rolle der Väter in der Erziehung zu stärken und für mehr Akzeptanz in der Arbeitswelt zu sorgen



Frage: Welche Herausforderungen im Hinblick auf ein modernes Väterbild werden durch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure im Landesarbeitsforum "Aktive Vaterrolle" sichtbar?

Die Pluralität der Akteurinnen und Akteure im Landesarbeitsforum begreife ich mehr als Gewinn für die gemeinsame Arbeit und weniger als Herausforderung.

Sicherlich gab es schon Momente, in denen erst mit Denkhemmungen aufgeräumt werden musste, bevor über das gemeinsame Ziel gesprochen werden konnte. Ich erinnere mich beispielsweise an die vereinzelt geäußerte Kritik, die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema "Väterbilder" könne nicht von einer Frau erfolgen. In einer anderen Situation wurde deutlich, dass Väterarbeit von einem ausschließlich positiv besetzten Väterbild ausgehen soll. Dieser Ansatz ist sicherlich auch richtig, was Projekte wie "Achtung, Väter, los" belegen. Väter sind aber nicht nur makellos und wir müssen uns auch den schwierigen Konstellationen zuwenden. Wie ist beispielsweise damit umzugehen, wenn Väter - und es sind zu einem signifikant hohen Anteil die Männer und nicht die Frauen - ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommen? Meiner Auffassung nach kann solchen Problemlagen von Mann zu Mann möglicherweise wirkungsvoller begegnet werden als im bestehenden weiblich geprägten Umfeld der Jugendämter manchmal derzeit möglich ist. Ich wünsche mir, dass wir perspektivisch auch hierzu ein Projekt initiieren und Erfahrungen sammeln.

Dessen ungeachtet ist die unterschiedliche Besetzung des Landesarbeitsforums für alle allein von Vorteil. Das unterschiedliche Wissen und vor allem die verschiedenen Netzwerke werden gut genutzt und stetig in die Arbeit eingebracht. Darüber hinaus schätze ich auch sehr den konstruktiven und kreativen Umgang aller, der immer von einem Miteinander und nicht von einem Gegeneinander geprägt ist.

Frage: Welche Zielgruppen sollten besonders in den Blick genommen werden?
Mit der Umsetzung des Handlungskonzepts nehmen wir zunächst zukünftige Väter, also Jungen, und Väter mit Migrationshintergrund in den Blick.

Frage: Wie können Väter im Hinblick auf berufliche Vereinbarkeit gestärkt werden?
Väter können vor allem durch die Mütter ihrer Kinder gestärkt werden, denn die Entscheidung über die Aufteilung von Familienaufgaben und Beruf fällt das Paar.

Das Leben von Familien mit Kindern hat sich in den vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht geändert. Das Selbstverständnis heutiger Väter hat sich dabei im Vergleich zu dem ihrer eigenen Väter sehr gewandelt. Viele Väter kümmern sich aktiver und intensiver um ihre Kinder als frühere Vätergenerationen dies taten. Dennoch verbringen Väter in Deutschland nach wie vor weniger Zeit mit ihren Kindern als Mütter. Mit der Reform des Elterngeldes im Jahr 2015 sind wichtige Weichen gestellt worden, um eine partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen den Eltern zu stärken. Dennoch sehen wir am Antragsverhalten im Bereich des Elterngeldes, dass immer noch signifikant mehr Frauen Erziehungsaufgaben übernehmen.

Es bleibt also festzuhalten, dass bereits jetzt die gesetzlichen Möglichkeiten für Väter dieselben sind wie für Mütter und der Aushandlungsprozess in der Partnerschaft von Politik offenbar nur bis zu einem gewissen Punkt erfolgreich beeinflusst werden kann.

Frage: Wie können Familien bei der Realisierung einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung in der Erziehungsgemeinschaft unterstützt werden?
Zunächst müssen wir uns fragen, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch verbessert werden können. Das Elterngeld sichert die wirtschaftliche Existenz der jungen Familien und hilft Vätern und Müttern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Allerdings zeigt der Bericht des Bundes über die Auswirkungen der Regelungen zum Elterngeld Plus und zum Partnerschaftsbonus sowie zur Elternzeit auch, wo Optimierungsbedarfe bestehen. So ist bekannt, dass Eltern sich u.a. gegen den Partnerschaftsbonus entscheiden, weil sie Unwägbarkeiten in der vollständigen Erfüllung der Leistungsvoraussetzungen und in der Folge Rückzahlungen der Leistungen befürchten. Längere Krankheitsphasen mit Krankengeldbezug, nicht vorhersehbare Arbeitslosigkeit, Insolvenz oder Kurzarbeit führen zum Beispiel dazu, dass die Eltern den gesetzlich vorgeschriebenen Stundenkorridor unerwartet nicht einhalten können, was dann zum Verlust der Ansprüche auf Elterngeld führen kann. Solche Schwachstellen müssen ausgebessert werden.

Dessen ungeachtet sollten wir im Moment neben der Verbesserung gesetzlicher Rahmenbedingungen mehr daran arbeiten, dass die bereits vorhandenen Möglichkeiten von beiden Geschlechtern auch genutzt werden. Diese Veränderung beginnt beim Paar, das Einigkeit über die Aufteilung des Einkommens und der Sorge fürs Kind erzielen muss und diese Einigkeit dann nach außen, beispielsweise gegenüber Arbeitgebern, vertreten muss. Der zukünftige Weg, für mehr Partnerschaftlichkeit zu werben, muss also - wie im Handlungskonzept vorgesehen - derzeit vor allem beim gesellschaftlichen Bewusstsein ansetzen.

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Kontakt
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