Unterstützung der schwangeren Partnerin

Wie können werdende Väter ihre Partnerin während der Schwangerschaft und Geburt unterstützen? Was erwartet die Schwangere von ihrem Partner? Lesen Sie hier die Erfahrungen eines Mannes, der vor kurzem Vater eines Sohnes geworden ist und Ratschläge für andere werdende Väter weitergeben möchte.

Beantwortet werden die Fragen von Jens Heckeroth. Er lebt mit seiner Frau in Hannover und ist vor kurzem Vater geworden. Während der ersten beiden Lebensmonate seines Sohnes nutzte er die Möglichkeit der Elternzeit.

Herr Heckeroth, wann haben Sie das erste Mal realisiert "Ich werde Vater" und wie haben Sie den Moment in Erinnerung?
Das "Realisieren" hat bei mir eine ganze Weile gedauert. Das bloße "Erfahren", die Information Vater zu werden hat mich zunächst erstmal sehr tief berührt. Es war jedoch noch nicht das "Realisieren". Ich denke, dies war zunächst die Erleichterung, dass es endlich geklappt hat und wir nun der Schwangerschaft entgegensehen konnten. Mit dem Wissen, Vater zu werden, habe ich mir viele Wochen oft die Worte "Ich werde Vater" vorgesagt (z.B. beim Autofahren), um mich selbst diese Worte sagen zu hören. Ich konnte es jedoch eine ganze Zeit nicht wirklich begreifen. Es war irgendwie unrealistisch und nicht greifbar.
Das letztendliche "Realisieren" war bei mir dann kein Augenblick, kein definierbarer Zeitpunkt der Erkenntnis, sondern ein Reifeprozess. Als der Bauch meiner Frau dann dicker wurde und das "Vater werden" nun endlich sicht- und später sogar spürbar wurde, da stellte sich nach und nach ein Gefühl ein, dass mir sagte: "Du wirst Vater". Somit hat mein Sohn selbst mir in seinem Werden das Realisieren Vater zu werden erst richtig ermöglicht.

Was glauben (oder wissen) Sie, hat Ihre Partnerin in der Phase der Geburt von Ihnen erwartet?
Meine Frau hat von mir das einfachste überhaupt erwartet: Einfach da zu sein und (vor allem) physisch spürbar da zu sein, indem ich meine Hand bzw. meinen Arm als Halt biete. Dies war ihr das Wichtigste. Da wir beide nicht vorhersehen konnten wie die Geburt verlaufen würde, war das gemeinsame Erleben der möglichen Höhen und Tiefen entscheidend. Gott sei Dank verlief die Geburt in Rekordzeit (1,5 Stunden) und ohne Komplikationen. Das "einfach da sein" konnte ich gut ausführen, so dass ich mich in meiner Rolle sehr sicher fühlte. Meine Hand war aber durch das Festkrallen meiner Frau dennoch ziemlich ramponiert.

Was hatten Sie sich vorgenommen, um Ihre Partnerin in der Zeit vor der Geburt zu unterstützen?
Neben dem "immer da sein" hatte ich mir vor allem vorgenommen, vollkommene Ruhe zu bewahren, egal was passiert. Für den Fall, dass meine Frau sich Sorgen macht, in Panik verfällt oder hormonell bedingte emotionale Veränderungen erfährt, wollte ich "der Fels in der Brandung" sein und somit meiner Frau stets Seelentröster, Beruhigungspille und Sandsack gleichermaßen sein. Zum Glück verlief die Schwangerschaft (bis auf eine begleitende Schwangerschaftsdiabetes) supergut.

Was fiel Ihnen dabei leicht, was war nicht so einfach?
Besonders leicht fiel mir, meine Frau geduldig überall hin zu begleiten, alle Termine mit wahrzunehmen und alle vorkehrenden Planungen mitzumachen (Hinweis: Sie ist bei uns die Planerin und ich eher nicht). Also: Das "immer da sein" fiel mir nicht schwer, da ich auch überall dabei sein wollte. Was nicht so einfach war, war mir meine Sorgen (Thema Schwangerschaftsdiabetes) und die doch größer werdende Angst beim Näherrücken des Termins nicht anmerken zu lassen. Wir haben zwar über alles gesprochen, doch die Rolle des "Felsens" kostet schon Kraft. Da bei uns jedoch grundsätzlich alles super lief und wir viel Glück hatten, war es nicht so dramatisch. Da bewundere ich eher andere Väter und natürlich die Mütter, die richtig schwierige Schwangerschaften und Geburten miterleben und überstehen mussten.

Was war für Sie in der Zeit vor der Geburt überraschend oder unerwartet?
Unerwartet und überraschend fand ich den bereits recht "geregelten" Tagesablauf des ungeborenen Kindes im Mutterleib (20 Minuten Schlafen, 20 Minuten mit der Nabelschnur spielen etc.). Dass dieses kleine Leben bereits einen solchen Rhythmus lebt, fand ich faszinierend. Weiterhin fand ich es überraschend wie das Kind auf Einflüsse von Außen reagiert und eine echte Kommunikation möglich ist. Wenn man z.B. durch die Bauchdecke den Fuß berührte und das Kind ihn wegzog. Überraschend fand ich auch, wie häufig und vor allem heftig das Kind im Mutterleib überhaupt Kapriolen vollzieht. Da habe ich mich einige Male so richtig erschrocken.

Was hat Sie in der Zeit vor der Geburt am meisten berührt?
Es gab immer wieder Augenblicke die uns berührt haben. Ich denke, am intensivsten waren die Besuche bei der Frauenärztin, wenn wir wieder einen Blick auf unseren ungeborenen Sohn bei der Ultraschalluntersuchung werfen oder Herztöne hören konnten. Ganz besonders in Verbindung mit der Nachricht: Es ist alles in Ordnung. Es gab auch immer mal berührende Augenblicke, wenn wir ihn gemeinsam von außen ertastet haben, wie z.B. ein Bein oder einen Arm.

Was würden Sie anderen werdenden Vätern für die Zeit vor der Geburt gerne "mitgeben"?

  • Nehmt die Signale Eurer Partnerin wahr, was sie gerade braucht (oder nicht braucht) und seid immer für sie da.
  • Auch wenn Ihr Euch manchmal wie die "Nr. 2" fühlen werdet: Ihr seid ein Teil des Ganzen und habt eine wichtige Rolle.
  • Angst und Unsicherheit sind keine Schande und gehören dazu. Dadurch wird nichts schlechter laufen.
  • Ganz wichtig: Redet mit Eurer Partnerin über alles. Über Eure Ängste, Unsicherheiten wie auch über Freuden und Glücksmomente, die Ihr beide erlebt.

Das Interview führte Axel Hengst.

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