Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie: Väterfreundlichkeit sichtbar machen!

Im Gespräch bleiben, offen sein für neue Ideen, kleine Lösungen schnell umsetzen, Vorbild für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein: Damit haben Unternehmerinnen und Unternehmer gute Erfahrungen gemacht, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Das waren einige Ergebnisse der Tagung, zu der das Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie am 1. März 2018 nach Hannover eingeladen hatte. Etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten unter dem Motto "Aus der Praxis für die Praxis - familienbewusste Unternehmenskultur verstehen, verantworten, verankern". Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen mit flexiblen Vereinbarkeitslösungen den wechselnden Lebenssituationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Rechnung tragen können.

Erfolgsfaktor-Familie_Kirsten-Frohnert_01-03-18_sKirsten Frohnert, Projektleiterin im Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie, hat im Interview mit dem Niedersächsischen Väterportal die Aspekte "Väterfreundlichkeit von Unternehmen" und "Vereinbarkeit für Väter" noch einmal genauer in den Blick genommen. Vielen Dank dafür!



Frage: Was motiviert ein Unternehmen dazu, sich mit dem Thema Väterfreundlichkeit zu beschäftigen?

Unternehmen stehen unter großem Druck im Hinblick auf das Thema "Fachkräfte finden und Fachkräfte binden". Und Unternehmen, die sich als attraktive Arbeitgeber aufstellen wollen, nehmen alle Zielgruppen in den Blick, wenn es darum geht, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Da rücken auch die Väter in den Blick. Bewerber treten heute auch mit klaren Erwartungen auf den Arbeitsmarkt, gerade die jungen Männer sagen heute: "Für uns ist es kein Entweder Oder", sondern sie haben auch Vereinbarkeitswünsche, die oft genauso wichtig sind wie das Gehalt. Im Bewerbungsgespräch wird die Frage formuliert: "Wie kann ich vereinbaren? Welche Möglichkeiten bieten Sie mir, zum Beispiel flexibel zu arbeiten?". Wir wissen aus unseren Studien, dass beispielsweise 51 Prozent der Väter sich eine Reduzierung der Arbeitszeit wünschen für mehr familiäres Engagement. Und in der Gruppe der jungen Väter zwischen 18 und 29 Jahren wünschen sich sogar 69 Prozent mehr Zeit für die Familie und würden dafür auch gern die Arbeitszeit reduzieren. Wenn der Fachkräftebedarf auf der einen Seite zusammentrifft mit diesen neuen Erwartungen von jungen Vätern, dann rücken die Väter in den Fokus der Vereinbarkeit.

Frage: Welche Angebote gibt es in der Praxis und wo liegen die Unterschiede?

Das Wichtigste ist - egal, ob es Angebote für Frauen oder für Männer sind - die Arbeitszeitflexibilität. Das hören wir immer wieder, egal in welcher Vereinbarkeitssituation jemand ist, ob als Mann oder als Vater beziehungsweise Sohn, ob als Mutter, Tochter oder pflegende Angehörige - Arbeitszeitflexibilität ist ein ganz wichtiges Instrument.

Wir haben zum Beispiel im Unternehmensnetzwerk eine Fleischerei, die einem alleinerziehenden Vater ermöglicht, morgens eine Stunde später zu beginnen, damit er das Kind zur Schule bringen kann, so dass keine Betreuungslücken entstehen. Das Unternehmen hat den Produktionsablauf, beziehungsweise seine Aufgaben im Produktionsablauf, entsprechend angepasst. Das zeigt, wie innovativ auch gerade kleine Betriebe in der Lage sind, auf Arbeitszeitherausforderungen einzugehen.

Im Zeitalter der Digitalisierung ist natürlich auch das Thema mobiles Arbeiten oder Homeoffice von Bedeutung, sofern die Jobs das hergeben. Es gibt ja auch viele Berufe, zum Beispiel in der Produktion, in denen das nicht möglich ist. Arbeitsort- und Arbeitszeitflexibilität, das sind also die beiden großen Stichworte.

Und wenn wir nach Unterschieden fragen: Die Commerzbank hat 2015 eine Väterstudie gemacht und Väter im eigenen Unternehmen befragt. Dabei wurde sehr deutlich, dass Väter sich eine andere Ansprache wünschen. Sie sagen, die Vereinbarkeitsangebote in Betrieben würden sehr häufig in Richtung Frauen kommuniziert. Männer wünschen sich in der Sprache und von den Bildern her eine zielgruppengerechte Ansprache. Da gibt es Unterschiede rund um Vereinbarkeitsangebote für Männer und Frauen.

Frage: Welche Angebote kommen aus Ihrer Sicht bei Vätern besonders gut an?

Das ist vor allem Arbeitszeitflexibilität, das Thema mobiles Arbeiten, also Flexibilität von Arbeitszeit und Arbeitsort. Und für viele Väter, die auf Entwicklung im Unternehmen Wert legen, ist es auch wichtig zu signalisieren: "Du kannst dich bei uns beruflich entwickeln und trotzdem Familie haben." Das ist sicherlich heute noch ein Knackpunkt. Wir hören von vielen Vätern, die Elternzeit genommen haben, im Nachhinein: "Ich hätte gern länger Elternzeit genommen." 80 Prozent der Väter nehmen ja nach wie vor noch zwei Monate Elternzeit - Tendenz steigend. Das ist noch ein Zeitraum, der leichter zu überbrücken ist als vielleicht sechs Monate. Und da den Boden zu bereiten in der Unternehmenskultur, so dass Väter das Gefühl haben "Das können wir auch machen", daran müssen wir weiter arbeiten.

Frage: Welche Rolle spielen Vorbilder und Führungskräfte beim Thema Vereinbarkeit und Väterfreundlichkeit?

Führungskräfte sind Vorbilder und Gestalter. Wir wissen aus Studien, die im Rahmen des Unternehmensprogramms Erfolgsfaktor Familie gemacht wurden, dass, wenn Führungskräfte in einem Unternehmen Elternzeit nehmen, dort dann fünf Mal mehr Väter auch Elternzeit nehmen. Oder dass in Unternehmen, wo Führungskräfte in Teilzeit arbeiten, zehn Prozent mehr Väter auch in Teilzeit arbeiten. Damit wird wie schon erwähnt, signalisiert: "Du darfst vereinbaren." Nicht nur "Wir bieten dir faktisch die Möglichkeit" oder "Wir haben das im Angebot", sondern: "Wir haben auch eine Unternehmenskultur, die es dir erlaubt. Und es wird begrüßt oder es wird gefördert." Die hochgezogene Augenbraue der Führungskraft, wenn ein Vater Vereinbarkeitsthemen anspricht, signalisiert dagegen ja, dass es eigentlich nicht gewünscht ist. Die Führungskräfte zu bestärken in ihrer Rolle als Vorbild ist ganz wichtig beimThema familienfreundliche Unternehmenskultur oder väterfreundliche Unternehmenskultur.

Frage: Welche guten Beispiele für väterfreundliche Unternehmenskultur gibt es in Niedersachsen?

Es gibt sicherlich mehr gute Beispiele als wir wissen und deshalb kann ich alle nur auffordern, sich im Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie oder in Internetportalen wie dem Niedersächsischen Väterportal sichtbar zu machen. Wenn Sie sich für Väter engagieren, dann stellen Sie das in Väternetzwerken wie der Väter gGmbh oder anderen Netzwerken auch klar dar.

In Niedersachsen gehört zum Unternehmensnetzwerk zum Beispiel die Firma Elektro Rosin in Uelzen, das ist ein Handwerksbetrieb, der von uns im Rahmen eines Wettbewerbs gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und dem Handwerkmagazin 2016 ausgezeichnet wurde. Ein kleiner Handwerksbetrieb, der einfach Vereinbarkeit für alle ermöglichen möchte und dabei auf individuelle Bedürfnisse eingeht. Wir haben aber auch Unternehmen wie windwärts, ein Energieunternehmen in Hannover, das sich auch explizit dafür einsetzt, Vereinbarkeit für alle zu ermöglichen. Und wir kennen auch Beispiele aus den Kammerbezirken Stade oder Lüneburg, die Stadt Wolfsburg, es gibt wirklich viele, die sich stark machen für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dabei auch immer mehr die Väter in den Blick nehmen. Also hier noch einmal ausdrücklich die Ermutigung: Machen Sie Ihr Engagement nach außen sichtbar!


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Das Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie wird im Rahmen des Programms "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Es stellt Mitgliedsunternehmen Informationsmaterialien und Studienergebnisse zur Verfügung und unterstützt sie durch Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Mitgliedschaft im Unternehmensnetzwerk ist kostenlos.

Weitere Informationen zur Netzwerktagung in Hannover im Niedersächsischen Familienportal www.familien-in-niedersachsen.de und auf der Website des Unternehmensnetzwerks Erfolgsfaktor Familie www.erfolgsfaktor-familie.de

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