Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros Niedersachsen

LAG-kommunaler-Frauenbueros-NdsDie Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros Niedersachsen (lag) vertritt die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten auf Landesebene. Sie ist im Dialog mit dem Niedersächsischen Landtag und der Landesregierung, den kommunalen Spitzenverbänden, Verbänden, Gewerkschaften und Parteien. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesfrauenrat und weiteren frauenpolitischen Organisationen.

Die lag nimmt Stellung zu Gesetzesvorhaben und Richtlinien. Grundlage sind dabei die Erfahrungen der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten aus der Arbeit vor Ort. Mit dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit werden gemeinsame Aktionswochen und Veranstaltungen zu wechselnden Themen vorbereitet. Halbjährliche lag-Landeskonferenzen dienen der frauen- und gleichstellungspolitischen Positionsbestimmung.


Im Kurzinterview: Beate Ebeling

Beate-Ebeling_Stadt-WolfsburgBeate Ebeling ist als Vertreterin der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros Niedersachsen (lag) Mitglied im Landesarbeitsforum "Aktive Vaterrolle". Die lag vertritt die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten auf Landesebene. Im Interview beschreibt Beate Ebeling die Schnittstellen der Arbeit von kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Niedersachsen mit dem Thema Väterarbeit.



Frage: Wo gibt es Berührungspunkte zwischen der Arbeit der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Niedersachsen und dem Thema "Aktive Vaterrolle"?
Kommunale Gleichstellungsbeauftragte haben den gesetzlichen Auftrag, sich für die Verwirklichung der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern einzusetzen.
Geschlechtergerechtigkeit fängt immer im Kopf an. Erst wenn es ein gesellschaftliches Bewusstsein über die unterschiedlichen Benachteiligungen der Geschlechter gibt, können Veränderungen erwirkt werden. Dazu ist es wichtig, die z.T. unterschiedlichen Bedürfnisse und Bedarfe, aber auch die vorliegenden unterschiedlichen Einschränkungen des jeweiligen Geschlechts zu analysieren und diese Erkenntnisse in alle Planungen, Entscheidungen und Maßnahmen einfließen zu lassen (Strategie des Gender Mainstreaming).
Noch immer glauben viele, dass sich kommunale Gleichstellungsbeauftragte ausschließlich mit Frauenförderung beschäftigen. Falsch! Moderne Gleichstellungspolitik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, viele Rollen wurden aufgebrochen. Sie wird inzwischen nicht mehr als "Gedöns" abgetan. Neue Lebensmodelle und Familienformen werden inzwischen auch offiziell anerkannt. Trotzdem fehlt es noch an Vielem.
Themen wie z.B. "Vereinbarkeit und Beruf" oder "Wahrnehmung von Erziehungsaufgaben" sind längst nicht mehr allein Frauenthemen, sondern welche, die Männer gleichermaßen angehen. Dies hat aber bisher noch nicht dazu geführt, dass alle Problemlagen - unterschiedlich für beide Geschlechter - gelöst wurden.
Eine nachhaltige Gleichstellungspolitik hat daher beide Geschlechter im Blick.

Frage: Wie sehen Sie die Rolle der Väter in Familien heute?
Vor allem junge Paare wünschen sich mehr Partnerschaft bei der Bewältigung von Erwerbs- und Familienaufgaben. Väter wollen aktive Väter sein. Wie gesagt, der Wunsch, Familie und Beruf zu vereinbaren, ist längst kein "Frauenthema" mehr, sondern eines für Frauen und Männer.
Jugend und Kindheit verlaufen heute auffallend anders als noch in der vorherigen Generation. Ähnlich wie bei Frauen stehen die männliche Identität und das väterliche Rollenverständnis heute auf dem Prüfstand. Dies alles führt aber auch zu neuen gesellschaftlichen Erwartungen an die Männer.
Männer, die heutzutage bewusst Kinder bekommen, überlegen sich die Entscheidung länger als in früheren Generationen - Väter und Mütter sind interessierter und anspruchsvoller geworden, suchen Beruf, Familie und Freizeit in Balance zu halten. Der Anteil jener Väter wächst, die sich ihren Kindern entschieden mehr und intensiver widmen.
Neben gesellschaftlichen Anforderungen spielen für die Veränderungen im Rollenverständnis und partnerschaftlichen Umgang teilweise aber auch immer noch finanzielle Aspekte eine starke Rolle. Sie tragen dazu bei, alte Rollenbilder zu zementieren.

Frage: Welche Unterstützung benötigen junge Familien und insbesondere junge Väter aus Ihrer Sicht?
Väter wollen sich orientieren und dadurch ihre eigenen Standpunkte entwickeln können. Sie wünschen sich, Familie, Beruf und Freizeit zu leben und sich ihren Aufgaben in der Rolle als Vater präsenter stellen zu können.
Je früher Väterarbeit ansetzt, umso nachhaltiger ihr Effekt. So könnte Jungenarbeit eines
der frühesten Arbeitsfelder für eine Entstereotypisierung von Vaterrollen sein.
Vor allem - junge - Väter wünschen sich väterspezifische Angebote, die in einem fachlich betreuten, geschützten Raum die Möglichkeit eröffnen, dass Väter sich in ihrer Vielfalt begegnen können, Unterschiede offen ansprechen und Dinge klären können. Für Väter ist es wichtig, sich mit anderen Vätern regelmäßig treffen zu können. Dabei kann eine (gelegentliche) Fachunterstützung zu gewünschten Themen hilfreich sein, um darüber in den Austausch gehen zu können.
Insofern sind Gruppenangebote als auch Angebote für Einzelberatungen, aber auch Angebote zu speziellen Freizeitangeboten für Väter mit ihren Kindern sinnvolle Angebote, um Väter zu unterstützen, sich selbst und ihren Standpunkt in der Familie und zwischen Familie, Freizeit und Beruf zu reflektieren und dadurch ihr Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie ihren eigenen Weg als Vater gehen können.

Frage: Wie kann Väterarbeit in Niedersachsen weiterentwickelt werden?
Trotz aller gesellschaftlichen und tatsächlichen Veränderungen zum "Väterbild" braucht es eine Weiterentwicklung in diesem Bereich, die u.a. politisch angeschoben, umgesetzt und gefördert wird. Wichtige Aspekte wären u.a. über die Rollenentstehung bei Frauen und Männern aufzuklären und so zu mehr Demokratie zwischen den Geschlechtern beizutragen. Damit können rigide Rollenmuster individuell und gesellschaftlich flexibilisiert und Räume geschaffen werden, Mann- und Vater-Sein neu und lebenslagenbezogen zu gestalten.
Insofern erachte ich es für notwendig, auf allen Ebenen sowohl politisch als auch praktisch, neben allgemeiner Familien-, Mädchen - und Frauenpolitik auch die Thematik Jungen- und Väterarbeit/politik selbstverständlich und ganzheitlich zu verankern.
Das Handlungskonzept zur Zukunftsorientierten Väterpolitik in Niedersachsen enthält dazu hervorragende Hinweise und Umsetzungsvorschläge und sollte konsequent als Arbeitsgrundlage auf allen Ebenen verwendet werden.
Zusätzlich wünsche ich mir, dass eine Evaluation über die Umsetzung und die damit erreichten Ziele erfolgt, um daraus für die zu erwartenden Veränderungen neue Erkenntnisse zu gewinnen und künftige Weiterentwicklungsprozess daran orientieren zu können.

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Kontakt

Beate Ebeling
Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wolfsburg
c/o lag - Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler
Frauenbüros Niedersachsen
Sodenstr. 2
30161 Hannover

Telefon (0511) 33 65 06 27
beate.ebeling@stadt.wolfsburg.de
lag@Vernetzungsstelle.de
www.frauenbuerosinniedersachsen.de

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