Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers

Maennerarbeit_Haus-kirchlicher-DiensteDie Männerarbeit im Haus kirchlicher Dienste der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers unterstützt Männergruppen in Kirchengemeinden und ist die kirchliche Fachstelle für Fortbildung und Qualifizierung der ehrenamtlich in der Männerarbeit Tätigen. Darüber hinaus bietet sie ein umfangreiches Angebot an Maßnahmen an. Schwerpunkte sind unter anderem Väterarbeit, spirituelle Angebote, Pilgern und Biografiearbeit.

Die Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers ist verbunden mit der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und weiteren kirchlichen und außerkirchlichen Kooperationspartnern. Sie nimmt geschlechtsspezifische Anliegen wahr und tritt ein für Geschlechtergerechtigkeit in Kirche und Gesellschaft sowie für eine gleiche Teilhabe an Lebenschancen von Frauen und Männern. Kirchliche Männerarbeit ermutigt auf der Basis christlicher Überzeugungen zur Überwindung einseitiger Rollenbindungen und hilft Männern zur Wahrnehmung neuer Lebensdimensionen.


Im Kurzinterview: Henning Busse

Henning-Busse_Haus-Kirchlicher-DiensteHenning Busse, Landespastor für Männerarbeit, vertritt Im Landesarbeitsforum die Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche. Er beteiligt sich an der Erarbeitung von Projekten, Stellungnahmen und zentralen Veranstaltungen. Insbesondere werden Erfahrungen aus der Väterarbeit in Kindertagesstätten, Kirchengemeinden und Vater-Kind-Maßnahmen und der Reflexionshintergrund der kirchlichen Väterarbeit eingebracht.

Frage: Welche Verbindung sehen Sie zwischen der kirchlichen Männerarbeit und dem Mitwirken im Landesarbeitsforum "Aktive Vaterrolle"?
Die Arbeit mit Vätern spielt in der kirchlichen Männerarbeit seit vielen Jahren eine Rolle. Besonders werden Vater-Kind-Wochenenden unterstützt. Dies sind gute Gelegenheiten, um mit den Vätern über ihre Vaterrolle ins Gespräch zu kommen. Die Themenbereiche Erziehung, Partnerschaft, Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie führen oft zu einem engagierten Austausch. Wer an diesen Angeboten teilnimmt, braucht nicht mehr zu einer aktiven Wahrnehmung der Vaterrolle motiviert zu werden. Das bringen die Väter schon mit. Aber sie finden einen Raum, in dem auch ihre Schwierigkeiten und Belastungen zur Sprache kommen können. Das ermutigt und gibt den Vätern Impulse, wie sie ihre Rolle in Partnerschaft und Familie in guter Weise gestalten können.

Frage: Wie sehen Sie die Rolle der Väter in Familien heute?
Viele Väter nehmen ihre Rolle ernst. Sie möchten für ihre Kinder da sein. Gleichzeitig steigen in der Familienphase auch die anderen Anforderungen. Das berufliche Vorankommen wird als wesentlich angesehen, um der Familie die nötigen Voraussetzungen zu geben. Die Partnerschaft will bewusst gepflegt sein. Möglicherweise wird ehrenamtliches Engagement erwartet. Freundschaften und Hobbies sollen nicht zu kurz kommen. Die eigene Elterngeneration erwartet Aufmerksamkeit. So ist die Zeit der Familienphase durch die vielen Erwartungen besonders belastet. Es ist ein zeitlich stark komprimierter und durch die gleichzeitigen Anforderungen hoch verdichteter Lebensabschnitt. Nicht selten werden Vorstellungen von einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung wieder zurückgedrängt und klassische Rollenbilder kehren ungewollt zurück. Eigentlich wollen manche Väter weniger arbeiten, tun es aber tatsächlich mehr. Weil sie in den Alltagssituationen häufig abwesend sind, geraten die knappen Familienzeiten unter hohen Erwartungsdruck.

Frage: Welche Unterstützung benötigen junge Familien und insbesondere junge Väter aus Ihrer Sicht?
Viele Karriereberufe sind durch ständige Verfügbarkeit und Beanspruchung gekennzeichnet. Flexible Arbeitssituationen würden es erleichtern, den familiären Gegebenheiten besser begegnen zu können. Die Arbeitszeitgestaltung sollte familienfreundlich sein und die Präsenz der Väter im "Care-Bereich" größere Wertschätzung erfahren. Ein "guter Vater" zu sein, sollte nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Zugewinn an Lebenskompetenz erfahren werden. Dazu braucht es Freiräume. Partnerschaftliche Aufgabenteilungen müssen sich auch im Alltag verwirklichen lassen, damit sie sich als lebensdienlich erweisen.

Frage: Wie kann Väterarbeit in Niedersachsen weiterentwickelt werden?
In der Vielfalt der familiären Konstellationen ist Vaterschaft nicht mehr einlinig zu begreifen. Mit der Ermutigung zur bewussten Wahrnehmung der Vaterrolle in jeder vorfindlichen Situation ist immer zugleich die Frage nach der Ermöglichung zu stellen. Familien brauchen Entlastung, damit die häufig gewünschte familienfreundliche Gestaltung des Alltags nicht zur Überforderung wird. Die Vielfalt der Lebensformen macht flexible Unterstützungssysteme nötig, wie z.B. situationsgerechte Betreuungs- und Bildungsangebote und familientaugliche Arbeitszeitmodelle. Nicht zuletzt bedarf es auch einer spürbaren finanziellen Wertschätzung aller geleisteten Familienarbeit. Solange das Familie-Sein mit zusätzlichem beruflichen Engagement erkauft werden muss, wird Vater- und Elternschaft immer unter Druck geraten. Deshalb ist es auch eine Frage an die gesellschaftlichen Wertesysteme und nicht nur an die individuelle Lebensgestaltung.

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Kontakt
Männerarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers
Henning Busse
Haus kirchlicher Dienste
Archivstr. 3
30169 Hannover
Telefon (0511) 124 14 10
Fax (0511) 124 19 55

maennerarbeit@kirchliche-dienste.de
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