Vaterbild

Bilder und Vorstellungen von dem, was und wie Väter sind, haben sich im Laufe der Jahre sehr geändert. Aktuelle Untersuchungen bemerken dazu, dass Väter ihre Verantwortung für ihre Kinder heute viel umfassender verstehen und wahrnehmen als alle Vätergenerationen vor ihnen. Auch die Qualität des Vater-Kind-Verhältnisses hat sich in den letzten 30 Jahren grundlegend gewandelt. Zudem ist die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes mittlerweile besser erforscht.

Das jetzige Vater-Ideal betrifft nicht mehr nur die materielle Versorgung der Kinder. Heute schließt Vater sein auch Anteilnahme, Verständnis und Dialogbereitschaft als Fundament einer gelungenen Beziehung mit ein. Zur Veränderung von Identität, Rollen und Bildern ist dies als Chance zu sehen. Gleichzeitig liegt darin für Männer aber auch eine Gefahr der Verunsicherung. Denn unsere Gesellschaft bietet kein einheitliches Bild von einem Vater. Auch wenn die Auswahl an Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen zum Vaterbild mittlerweile größer geworden ist, kann sich auch daraus keine eindeutige Definition der Rolle des Vaters ergeben.

Zumindest ist ein wesentlicher Verdienst der Väterforschung der 70er-Jahre die Erkenntnis der Vater-Kind-Bindung. Danach sind Väter grundsätzlich in demselben Ausmaß wie Mütter dazu befähigt, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Damit erwies sich das Konzept der Exklusivität der Mutter-Kind-Bindung - wie etwa vom Soziologen Talcott Parsons vertreten - als nicht mehr haltbar.

Auch irrte offensichtlich John Bowlby in seiner Grundannahme von der Bindungstheorie zwischen Eltern und Kindern. Seine Kernthese war, dass die Mutter die von der Natur dafür vorbestimmte primäre Bezugsperson von Säuglingen und Kleinkindern ist. Dem Vater wurden die grundlegenden biologischen Voraussetzungen für eine stabile emotionale Bindung an sein Kind abgesprochen. Die Aufgabe des Vaters bestand seiner Meinung nach vor allem in der wirtschaftlichen Absicherung der Familie und der emotionale Unterstützung seiner Partnerin. Diese Theorie und diese Ansichten waren lange Zeit - zumindest im europäischen Raum - eine stillschweigende Übereinkunft und decken sich wohl bis jetzt noch weitgehend mit den Ansichten vieler heutiger Großeltern.

Quellen
Talcott Parsons in: "Family socialization and interaction processes", 1955/ John Bowlby in: "Maternal care and mental health", World Health Organization, 1952

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