Aufgaben und Chancen sozialer Väter

Für den Mann in einer Folgefamilie in der Rolle des sozialen Vaters bestehen vielfältige Chancen und Aufgaben. Von außen werden Impulse und auch Erwartungen an ihn heran getragen. Welche sind das? Kann und muss er ihnen gerecht werden?

Der "neue" Mann in einer bereits bestehenden Familie bringt erst einmal alles durcheinander. Das ist normal. Das bestehende Familiensystem wird neu gemischt. Jede Person und jede Rolle in der bisherigen Zusammensetzung wird davon gewollt oder ungewollt betroffen sein. Dieser Prozess braucht Zeit und Kraft. Starke Emotionen sind im Spiel. Sowohl Neugier und Freude als auch Ablehnung und Unsicherheit können die neue Familie begleiten.

Vor allem Verluste sind im Spiel, die oft mit der Trennung vom leiblichen Vater zu tun haben können. Die positive emotionale Stabilität und Perspektive für die einzelnen Familienmitglieder kann die Hauptaufgabe sein. Für den sozialen Vater bedarf es dazu einer guten Portion Selbstwertgefühl, um ein kompetentes Familienmitglied zu werden und zu sein - das vor allem seinen Teil zum positiven Familienleben beiträgt.

Jede Partnerschaft braucht für ihren Aufbau Zeiten ungestörter Zweisamkeit. Gerade auch die Partnerschaft zwischen sozialem Vater und der Mutter sollte stabilisiert werden. Eine starke Partnerschaft in einer neu gegründeten Familie kann ein wesentlicher Faktor für den Fortbestand und das Gelingen werden. Eine besondere Herausforderung ist es, wenn diese Stabilisierung der Partnerschaft gleichzeitig mit den Kindern geleistet werden muss. In der intensiven Beobachtung durch die Kinder, kann das neue Paar unter einem enormen Erfolgsdruck geraten. Die unter Trennungserfahrung belasteten Kinder könnten unter einem wiederholten Scheitern abermals leiden. Solch enormer Druck gepaart mit Schuldgefühlen über unausgesprochene Zweifel und erlebte Zwänge kann für den Aufbau einer stabilen Partnerschaft eine ungünstige Voraussetzung sein.

Wenn darüber hinaus der soziale Vater immer "besser sein muss" als der leibliche Vater, beinhaltet das oft ein Risiko für zukünftige Abhängigkeiten vom "Schattenvater" und hindert die eigene freie Gestaltung der Partnerschaft durch den sozialen Vater.

Die Rolle des sozialen Vaters als Elternteil stellt hohe Anforderungen, da diese Rolle individuell und neu entworfen wird. Eine positive Beziehung zu den Kindern ist nicht immer von vornherein gegeben. Oft werden soziale Väter mit negativen Erwartungen konfrontiert, denn schließlich verändert er allein durch seine Anwesenheit das Gewohnte. Nichts scheint mehr selbstverständlich zu sein. Darüber hinaus müssen neue Spielregeln im Zusammenleben durch Selbstständigkeit, Beteiligung und Verantwortung der Kinder ausgehandelt werden. Vielleicht werden sich alle von gewohnten Abläufen und Ritualen verabschieden müssen, die sich in der vorherigen Familie so gut eingeschliffen hatten. Hier ist eine gute Kommunikations- und Streitkultur gefordert.

In gleicher Weise geht es um einen sensiblen Umgang mit der Einführung in die Rolle als Erzieher. Der soziale Vater sollte nicht vorzeitig in eine Erzieherrolle gedrängt werden, um das Verhältnis nicht zu belasten. Gegenseitiges Vertrauen ist sehr wichtig. Auch sollte er sich nicht in eine Rivalitäts- oder Konkurrenzsituation mit dem leiblichen Vater drängen lassen. Grundsätzlich gilt, allen Beteiligten Zeit für die Entwicklung einer neuen Familie zu lassen.

Die Familie mit einem sozialen Vater wird größer. Sie erhält eine erweiterte Verwandtschaft und einen neuen Freundeskreis dazu. Auch kann sich der Kreis der Nachbarn und Arbeitskollegen und -kolleginnen verändern. Erwartungen von Seiten des sozialen Umfeldes können für die Stabilität der neuen Familie sowohl förderlich als auch hinderlich sein. Für Außenstehende gilt das nötige Maß an Zurückhaltung vor eventuellen überzogenen Forderungen nach einer "perfekten" Familie, in diesem Fall sind eher ermunternde Worte und Entlastungsangebote sinnvoll.



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Mehr dazu auch im Beitrag von Dr. Gert H. Döring zum Thema "Soziale Vaterschaft in Stieffamilien" unter www.familienhandbuch.de

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