Männer im Kreißsaal? Werdende Väter und Mütter nehmen Stellung

Es scheint mittlerweile nahezu selbstverständlich zu sein, dass Männer bei der Geburt ihrer Kinder dabei sind. Und tatsächlich ist das bei etwa 90 Prozent der Geburten der Fall. Unter Fachkräften und unter Vätern, die bei der Geburt dabei waren, werden viele positive Effekte der Anwesenheit der Väter hervorgehoben. Aber hier und da gibt es auch persönliche Vorbehalte und es sollte bei den zukünftigen Eltern nicht der Eindruck entstehen, die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt sei eine Pflichtaufgabe.

Werdende Väter und Mütter im Alter zwischen 28 und 40 Jahren wurden befragt, ob der Mann bei der Geburt anwesend sein soll. Zum überwiegenden Teil waren die Befragten Teilnehmende eines Wochenendkurses zur Geburtsvorbereitung in Hannover. Die Umfrage ist keine repräsentative Erhebung. Sie soll jedoch einen Einblick in die Unterschiedlichkeit der Motivationen für oder gegen eine Anwesenheit der Väter geben.

Meinungen der werdenden Väter

"Ich möchte gerne bei der Geburt dabei sein. Es ist mein erstes Kind, und ich möchte auf jeden Fall das Erlebnis der Geburt mit meiner Frau teilen. Neben der Erfahrung einer Geburt spielt daneben auch die Unterstützung meiner Frau eine große Rolle. Ich möchte für sie in der Zeit da sein und ihr Halt geben."

"Ich möchte gerne dabei sein. Ich hoffe, zumindest psychologische Hilfestellung leisten zu können. Wenn es schwierig / schmerzhaft wird, möchte ich dabei sein, wenn sie das möchte."

"Es ist ein einmaliges Erlebnis für uns beide. Ich möchte meine Tochter von Anfang an begleiten und für sie da sein."

"Ich will dabei sein, weil...
...ich meine Frau bei der Geburt unterstützen und ihr zur Seite stehen möchte.
...das Kind auch ein Stück von mir ist und ich dabei sein möchte, wenn es das Licht der Welt erblickt.
...ich es auch ein Stück als meine Pflicht ansehe, die Geburt zu begleiten."

"Ich wäre gerne dabei, um am Leben meines Kindes vom ersten Augenblick an teil zu haben. Außerdem, als Erstvater bin ich gespannt, wie wir als Paar diese Situation durchstehen und wie es mir persönlich gehen wird. Ich freue mich auf die Emotionen - jeglicher Art."

"Ich glaube, ich werde nicht dabei sein. Ich finde, der Druck und die Erwartung an mich sind ziemlich groß. Ich habe von anderen Vätern nur gehört, dass sie dabei sein werden. Außerdem weiß ich bei aller Liebe zu meiner Partnerin nicht, ob ich es ertrage, sie der Situation so ausgeliefert zu sehen."

"Für mich stellte sich die Frage 'Dabei sein oder nicht' gar nicht. Ich fand es selbstverständlich. Einerseits gegenüber meiner Frau, andererseits aber auch, weil ich den Kleinen sofort sehen möchte."

"Selbstverständlich bin ich dabei!"

"Ich werde bei der Geburt dabei sein. Es gab eigentlich nie eine Diskussion darüber, da ich das von mir aus möchte. Ich hoffe und wünsche mir, dass ich für meine Frau da sein und sie unterstützen kann und wir das gemeinsam erleben."

"Ich will auf jeden Fall dabei sein, denn ich will mein Kind vom ersten Atemzug an begleiten und für es da sein. Ich will die Emotionen, Wünsche, Hoffnungen, aber auch die Ängste erleben. Außerdem will ich später meinem Kind davon erzählen und berichten können."

"Eigentlich möchte ich sehr gerne bei der Geburt dabei sein, um meine Partnerin zu unterstützen. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe, ihr dabei nicht zur Last zu fallen, wenn mir zum Beispiel selber schlecht wird. Wenn sie möchte, dass ich dabei bin, werde ich das wohl machen."


Meinungen der werdenden Mütter

"Er soll auf jeden Fall dabei sein. Zum Einen, um mich zu unterstützen, zum Anderen, damit er das Geburtserlebnis nicht verpasst. Auch wenn es für ihn vielleicht nicht die ganze Zeit toll ist - für mich ist es bestimmt noch viel anstrengender!"

"Ich wünsche mir, dass mein Partner dabei ist, um mich zu unterstützen. Schließlich soll er das später ja auch tun. Es ist nicht nur mein Kind, sondern unser Kind."

"Ich wünsche mir, meinen Partner an meiner Seite zu haben, um vor allem nicht alleine mit den Schmerzen und der 'neuen Situation' da zu stehen. Ich möchte von Anfang an, dass der Vater eine Beziehung zum Kind hat. Allerdings, wer kümmert sich um meinen Partner, wenn ihn die Geburt seelisch sehr mitnimmt und er nicht darüber spricht? Ein bisschen Angst habe ich davor, dass mich mein Partner nach der Geburt mit anderen Augen sieht und unsere Beziehung nicht mehr so liebevoll und voller Zuneigung ist."

"Ich wünsche mir von meinem Partner während der Geburt Unterstützung und Motivation. Er sollte mich in der Zeit unterhalten und mir die Zeit so angenehm wie möglich gestalten."

"Ich wünsche mir, die Geburt gemeinsam mit meinem Partner zu erleben, um gemeinsam eine enge Bindung zum Kind aufzubauen."

"Mir ist es Wichtig, dass mein Mann bei der Geburt dabei ist, um mir Sicherheit zu geben, und um jemanden vertrautes bei mir zu haben. Wenn er sich dazu entschieden hätte, nicht dabei sein zu wollen, würde ich diese Entscheidung auch respektieren."

"Zunächst sollte der Partner frei entscheiden, ob er dabei sein möchte oder nicht, er sollte nicht 'gezwungen' werden. Ich persönlich finde es sehr schön / hilfreich, den Partner dabei zu haben und seine Nähe zu spüren, bzw. ihn an der Geburt teil haben zu lassen und die ersten Stunden mit dem Baby gemeinsam zu verbringen. Erwarten würde ich vom Partner Unterstützung / Zuspruch bei allem, was die Geburt betrifft, wie Hilfestellung bei der Atmung, den unterschiedlichen Geburtspositionen oder auch einfach Händchen halten, bzw. später die ersten Pflegeeinheiten mit dem Baby zu 'absolvieren'. Von Vorteil ist dabei natürlich auch die vorhergehende gemeinsame Teilnahme am Geburtsvorbereitungskurs."

"Ich möchte gerne, dass mein Partner bei der Geburt dabei ist. Mir ist dabei aber auch ganz besonders wichtig, dass dies für mich keine weitere 'Belastung' darstellt. Ich bin wahrscheinlich als gebärende Mutter schon genug mit mir selbst beschäftigt und wünsche mir dann eher seelische, moralische und auch physische Unterstützung. Mir dann noch Sorgen um meinen Partner machen zu müssen, wäre da eher kontraproduktiv. Daher ist ein Geburtsvorbereitungskurs überaus empfehlenswert. So bekommen baldige Mütter und Väter ein Gespür füreinander."

"Ich wünsche mir, dass mein Partner dabei ist, weil mir seine Nähe wichtig ist. Aber nur, wenn er das auch will. Es ist mir auch wichtig, dass er es ehrlich sagt, wenn er nicht dabei sein möchte und mir seine Nähe anders vermitteln will."

"Ich habe ein komisches Gefühl bei der Vorstellung, dass mein Partner mit ansehen muss, wie Andere an meinem Körper hantieren. Ich glaube, es wäre für ihn und mich besser, wenn er das nicht mit ansehen müsste."

(ah)

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