Väter und Erziehung: LJS-Fachtagung zur interkulturellen Väterarbeit

LJS-Fachtag-Wann-erziehen-Vaeter-14-06-16_Simone-ZanjaniBei einer Fachtagung der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) stand die Bedeutung aktiver Vaterschaft für die Kindererziehung im Mittelpunkt. Wie kann insbesondere interkulturelle Väterarbeit aufgebaut und weiterentwickelt werden, um eine enge-Vater-Kind-Bindung zu fördern?

Simone Zanjani, LJS-Referentin und Koordinatorin des interkulturellen Projekts Vätertalk, begrüßte am 14. Juni 2016 mehr als 60 Fachkräfte aus Familien- und Kinderservicebüros, Kitas, Verbänden, Familienbildungseinrichtungen und Jugendämtern zur Fachtagung "Wann erziehen Väter?" im Hanns-Lilje-Haus in Hannover. Auf dem Programm standen wissenschaftliche Analysen und die Vorstellung unterschiedlicher Praxisprojekte durch Expertinnen und Experten der Väterarbeit.

Eine gute Beziehung zum Vater stärkt die emotionale, kognitive und soziale Entwicklung von Kindern, darüber waren sich die Referentinnen und Referenten des Fachtages einig. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie insbesondere Väter mit Zuwanderungsgeschichte von Angeboten der Väterarbeit erreicht werden können, um ihnen Beratungs- und Hilfsangebote nahe zu bringen und sie in einer aktiven Vaterschaft zu unterstützen.

Aus wissenschaftlicher Sicht nahm dazu Prof. Dr. Manuela Westphal von der Universität Kassel Stellung. Die Professorin für Sozialisation mit dem Schwerpunkt Migration und interkulturelle Bildung gab einen Überblick über nationale und internationale Studien zur Väterforschung. Die "engagierte Väterlichkeit" sieht sie als gesellschaftliche Norm und Erwartungshaltung in unserer Gesellschaft gesetzt. In vielen Familien aus anderen Kulturkreisen gelte jedoch noch eine klassische Rollenverteilung, dazu komme die Vereinbarkeitsproblematik von Familienleben und Beruf. Außerdem bergen kulturelle Verschiedenheiten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Kindern und in der Einstellung zu Bildung und Erziehung Konfliktpotential im Umgang mit Fachkräften in Kita und Schule. Dass Väter schwer zu erreichen sind, sollte jedoch nicht als Desinteresse gedeutet werden, so Manuela Westphal: "Reflexion über Elternschaft findet statt, wir müssen es schaffen, mit Vätern darüber ins Gespräch zu kommen."

Der Diplom-Sozialpädagoge Michael Tunç rief in seinem Vortrag dazu auf, stereotypisierende und religionisierende Bilder von Vätern in der Bildungs- und Sozialarbeit immer aufs Neue zu überwinden, was vor allem eine Frage der Haltung von Fachkräften der Väterarbeit sei. So könne es gelingen, zugewanderte Väter als ungenutzte Ressource zu aktivieren. Er plädierte dafür, die Väterbeteiligung in bestehenden Angeboten der Eltern- und Familienbildung wie etwa HIPPY, Opstapje oder "Starke Eltern - starke Kinder" zu verbessern. Als Erfolgsfaktoren der interkulturellen Väterarbeit nannte er die Gewinnung männlicher Fachkräfte mit Migrationshintergrund, die Verbindung der Väterarbeit mit Angeboten der Mütterarbeit und einen Angebots-Mix von Spiel-, Sport- und Freizeitpädagogik als Türöffner für die Teilnahme an Gesprächsgruppen oder Väterkursen.

Über erste Erfahrungen im neu gestarteten Projekt "Vätertalk" der LSJ berichteten anschließend Simone Zanjani und Jürgen Ermes, der die ersten männlichen Moderatoren für das niedrigschwellige Angebot ausgebildet hat. "Vätertalks" sind moderierte Gesprächskreise rund um die Mediennutzung von Kindern und über den Erziehungsalltag. Sie sollen Väter in ihrer Erziehungskompetenz und -verantwortung stärken. Die Erwartungen der Väter unterscheiden sich dabei in einigen Punkten von bisher umgesetzten Elterntalks, hat Jürgen Ermes festgestellt.

Mit dem Interkulturellen Väterbüro hat die Stadt Wolfsburg seit 2014 die Väterarbeit institutionalisiert. Maximilian Hortsch stellte die Arbeit und die Angebote des Interkulturellen Väterbüros vor. Dazu gehören individuelle Beratungsgespräche ebenso wie regelmäßige Gruppenangebote, etwa für Adoptions- und Pflegeväter. Maximilian Hortsch betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Familienzentren, Beratungsstellen, Familienbildungsstätten und städtischen Stellen, um die Väter wirkungsvoll und nachhaltig unterstützen zu können.

Axel Hengst von mannigfaltig e.V. - Institut für Jungen- und Männerarbeit - stellte die Frage, ob bestehende Angebote Väter mit Migrationsgeschichte ansprechen und was gegebenenfalls verbessert werden müsste, um sie einzubeziehen. Im Projekt "Papa spielt mit!" des Niedersächsischen Sozialministeriums etwa hat mannigfaltig e.V. den interkulturellen Aspekt aufgegriffen. Das zweite Projekt "Achtung - Väter - los" richtete sich an Kitas, die besondere Angebote für Väter umsetzen wollten, vom Elternabend bis hin zu Vater-Kind-Spieltagen.


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Weitere Informationen auf der Website der LJS
www.jugendschutz-niedersachsen.de

Kontakt:
Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen
Simone Zanjani
Telefon 0511 / 85 87 88
simone.zanjani@jugendschutz-niedersachsen.de

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