Vom Arbeitsplatz an den Wickeltisch – nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung

Das Elterngeld kann zu einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung beitragen, die auch längerfristig bestehen bleibt, wie eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung zeigt. Damit der Wechsel vom Arbeitsplatz an den Wickeltisch auch nach der Elternzeit für Väter zum Alltag gehört, müssen die Rahmenbedingungen in Arbeitswelt und Partnerschaft stimmen.

Wann das funktioniert und welche Hindernisse es noch gibt, haben Svenja Pfahl, Stefan Reuyß, Dietmar Hobler und Sonja Weeber vom Berliner Institut für Sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) untersucht. Für die Studie "Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter" führten sie ausführliche Interviews mit 43 Elterngeldvätern sowie eine Online-Umfrage mit mehr als 600 Teilnehmern durch.

Demnach wirkt es sich positiv auf die Beziehung zum Nachwuchs und auf die Partnerschaft aus, wenn Väter eine Auszeit vom Erwerbsleben nehmen. Als hinderlich erweisen sich vor allem skeptische Vorgesetzte, fehlende Vertretung und ungünstige berufliche Perspektiven der Mütter.

Ob Väter sich überhaupt für Elternmonate entscheiden, hängt der Studie zufolge vor allem davon ab, wie sicher der Arbeitsplatz und wie familienorientiert der Arbeitgeber ist. Für die Dauer der Nutzung sei unter anderem maßgeblich, ob es zwischen den Partnern Unterschiede bei Qualifikation und Einkommen gibt und wie groß diese sind.

Als wichtigsten Effekt der Elternmonate nennen die befragten Väter eine stärkere Beziehung zu ihrem Kind. Darüber hinaus bessere sich durch die partnerschaftliche Arbeitsteilung die Qualität der Paarbeziehung.

Die Studie sieht auch langfristig einen positiven Zusammenhang zwischen der Nutzung von Elterngeld und der Rollenverteilung in der Partnerschaft. Etwa jeder vierte Vater reduzierte unmittelbar im Anschluss an die Elternmonate seine Arbeitszeitdauer im Vergleich zu der Zeit vor der Geburt.

Langfristige berufliche Nachteile für die Elterngeldväter sind laut der Studie kaum nachweisbar. Allerdings erweist sich Teilzeitarbeit für Väter ebenso als Karrierehindernis wie für Mütter.

Um das Potenzial des Elterngelds noch besser auszuschöpfen, empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, auf eine "vätersensible" und gleichstellungsorientierte Betriebskultur hinzuwirken. Dass männliche Beschäftigte familiengerechte Maßnahmen in Anspruch nehmen, müsse zur Selbstverständlichkeit werden. Partnerschaftliche Arbeitsteilung können nur gelingen, wenn auch die Partnerinnen Zugang zu qualitativ guten Arbeits- und Einkommensbedingungen haben.

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Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 11.03.15, www.boeckler.de

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