Weltkindertag 2019: Kinderrechte in der digitalen Welt stärken

20. September 2019

Jungen-mit-Handy_UNICEF_pokemon-1553970_1920 KopieAnlässlich des Weltkindertags ruft UNICEF dazu auf, die Kinderrechte in der digitalen Welt zu stärken. Bereits drei Viertel der 12- bis 14-jährigen und 90 Prozent der 15- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen in Deutschland sind per Smartphone praktisch permanent online. Eine Trennung zwischen online und realer Welt ist immer schwieriger.

Die Mädchen und Jungen sehen das Internet fast immer als selbstverständlichen und positiven Teil ihres Lebens an. Je mehr sie im Netz unterwegs sind, desto öfter sind sie aber vielfältigen Risiken ausgesetzt und machen dort auch negative, manchmal belastende Erfahrungen. 30 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention müssen die Kinderrechte online und offline gestärkt werden. Behörden, die Privatwirtschaft - insbesondere Technologieunternehmen -, Schulen, Eltern und die Kinder selbst müssen fit gemacht werden für die neuen kinderrechtlichen Herausforderungen. Diese Schlussfolgerungen zieht UNICEF aus der repräsentativen Befragung "Kids Online".

Hintergrund der Untersuchung

Für die Untersuchung des Leibniz-Instituts für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut in Hamburg wurden in diesem Sommer 1.044 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren sowie Eltern detailliert nach ihren Online-Erfahrungen befragt. Unterstützt wurde die Studie als Teil des internationalen Forschungsverbundes EU Kids online von UNICEF sowie der Deutschen Telekom Stiftung, der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) und dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs).

Ziel der Untersuchung ist es, besser zu verstehen, wie Mädchen und Jungen selbst die digitale Welt erleben. Dies ist Voraussetzung dafür, Defizite und Potenziale bei der Gestaltung der Digitalisierung für Kinder zu erkennen.

Ausgewählte Befunde zum Aufwachsen online in Deutschland 2019

  • Online-Nutzung: Im Schnitt sind Kinder und Jugendliche in Deutschland jeden Tag 2,4 Stunden online - mit deutlich steigender Tendenz bei den Älteren und an Wochenenden. Die 15- bis 17-Jährigen sagen, dass sie täglich 3,4 Stunden und an Wochenenden vier Stunden online sind. Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie sich langweilen, wenn sie nicht online sein können. 28 Prozent sagen, dass sie zumindest ein paar Mal erfolglos versucht haben, die Nutzungszeit zu reduzieren.
  • Kompetenzen: Die Heranwachsenden schätzen ihre Online-Kompetenzen überwiegend positiv ein. Über 70 Prozent der Mädchen und Jungen sagen, dass sie wissen, welche Informationen sie teilen sollten und welche nicht. Trotzdem haben 20 Prozent der 12- bis 17-Jährigen im vergangenen Jahr sexuelle Nachrichten verschickt. Lediglich jeder dritte findet es einfach, zu überprüfen, ob Informationen im Netz wahr sind.
  • Negative Erfahrungen: Knapp 9 Prozent der befragten 9- bis 17-Jährigen geben an, dass sie in den vergangenen 12 Monaten im Internet schlimme oder verstörende Erfahrungen gemacht haben. Hochgerechnet betrifft dies deutschlandweit mehrere Hunderttausend Kinder und Jugendliche.
  • Gut ein Viertel der Heranwachsenden sagt, dass sie Erfahrungen mit gemeinen und verletzenden Verhaltensweisen gemacht haben - online oder offline. Diese Erfahrungen erleben die Kinder vor allem im "echten Leben". Hänseleien, fiese Kommentare und Schikane finden zusätzlich aber auch im Internet statt - dies berichten zwei Drittel der Betroffenen.
  • Eltern machen sich häufig Sorgen über die Online-Nutzung ihrer Kinder. Gleichzeitig sind sie inzwischen genauso intensiv im Internet aktiv. Einige Eltern teilen relativ sorglos Bilder ihrer Kinder. 9 Prozent der Kinder sagen, dass Eltern ohne ihr Einverständnis Texte, Bilder oder Videos veröffentlicht haben. 6 Prozent waren über die veröffentlichten Inhalte verärgert.
  • Eltern unterschätzen die Häufigkeit, mit der ihre Kinder bestimmte Erfahrungen im Internet machen. Über die Hälfte der 12 bis 17-Jährigen sind nach eigenen Angaben mit sexuellen Darstellungen in Berührung gekommen - zumeist im Netz.
Ausgewählte Schlussfolgerungen
  • Kinder und Jugendlichen, die im Netz schlimme oder sogar verstörende Erfahrungen gemacht haben, brauchen mehr Hilfsangebote und Begleitung.
  • Die Anbieter müssen ihrer Verantwortung nachkommen, Kinder und Jugendliche besser vor schädlichen und rechtswidrigen Inhalten sowie Übergriffen zu schützen.
  • Das Verantwortungsbewusstsein von Erwachsenen und Kindern für ihr eigenes Online-Verhalten und dessen Wirkung auf ihre Mitmenschen muss geschärft werden.
  • Die Potentiale des Internets für Bildung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen müssen besser genutzt und gefördert werden.

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Quelle: Pressemitteilung UNICEF, 19.09.2019
www.unicef.de

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