Männer-Perspektiven

Maenner-PerspektivenWie haben sich die Einstellungen von Männern zur Verantwortung für Erwerbseinkommen und Familienarbeit sowie zur Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit entwickelt? Zur Untersuchung dieser Frage hat das Bundesfamilienministerium eine repräsentative vergleichende Studie herausgegeben, die auf der Auswertung der Gleichstellungsstudie 2016 zum Themenfeld Männer basiert. Die aktuellen Daten zeigen, dass heute mehr Männer ein gleichgestelltes Lebensmodell realisieren wollen. Eine Mehrheit fordert eine aktive und offensive Gleichstellungspolitik. Autor der Studie "Männer-Perspektiven" ist Prof. Dr. Carsten Wippermann, DELTA-Institut für Sozial- und Ökologieforschung GmbH.

Im Vergleich zur Vorgängerstudie "Rolle vorwärts - Rolle rückwärts?" aus dem Jahr 2007 lässt sich beobachten, dass zunehmend mehr Männer Gleichstellung und Maßnahmen der Gleichstellungspolitik befürworten. Das gilt sowohl in den Einstellungen wie in der Alltagspraxis beruflich und privat. Es zeigt sich jedoch auch, dass sich die Ansichten von Männern zwischen einer gleichstellungsmodernen Haltung und traditionalistischen oder maskulistischen Haltungen polarisiert haben.

Einige zentrale Befunde

  • In einer Partnerschaft sollten beide berufstätig sein, fanden 2007 bereits 71 Prozent der Männer. Dieser Anteil ist bis 2015 auf 82 Prozent gestiegen. Das traditionelle Ernährermodell lehnen mehr als ein Drittel der Befragten ausdrücklich ab. 18 Prozent aller Männer sind dagegen der Auffassung, dass es grundsätzlich nicht gut ist, wenn in einer Partnerschaft beide berufstätig sind.
  • 42 Prozent der Männer ab 18 Jahren gaben 2015 an, sich eine Partnerschaft zu wünschen, in der Mann und Frau erwerbstätig sind und sich beide etwa gleich viel um Haushalt (und Kinder) kümmern.
  • Junge Männer bis 29 Jahre waren im Jahr 2015 mehrheitlich (59 Prozent) der Meinung, dass ein Vater seine Berufstätigkeit reduzieren sollte, solange die Kinder noch klein sind. Ein Kernelement von Geschlechtergerechtigkeit besteht für diese Gruppe auch in der Auffassung von partnerschaftlicher Solidarität in dem Sinne, dass ein Mann seiner Partnerin beruflich ebenso den Rücken freihalten sollte wie umgekehrt.
  • Die Mehrheit der Männer fordert eine aktive und offensive Gleichstellungspolitik mit dem Ziel der sozialen, moralischen und ökonomischen Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft. Eine Minderheit der Männer hat eine dezidierte Anti-Gender-Haltung.
  • Männer sind überwiegend vollzeiterwerberbstätig und sehen Teilzeitbeschäftigung als finanziell riskant und mit Makel verbunden an. Das führt zu einer selektiven Wahrnehmung des Teilzeitangebots im Betrieb: Die Mehrheit der vollzeiterwerbstätigen Männer ist der Überzeugung, dass es in ihrem Unternehmen für ihre Funktion und Position keine Möglichkeit zur Teilzeit gebe, was aus Unternehmenssicht nicht immer zutrifft. Bei einem noch geringen Teil der Männer beginnen der Studie zufolge die Vorbehalte gegen Teilzeiterwerbstätigkeit zu bröckeln und ein allmählicher Imagewandel hat begonnen.
  • Nicht nur Frauen und Mütter stehen vor dem zeitlichen und organisatorischen Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern zunehmend auch Männer, die ihrer Rolle als Vater im Alltag gerecht werden wollen. Eine zentrale Rolle kommt dabei aus ihrer Sicht der Kinderbetreuung in Kitas zu, die es Frauen und Männer gleichermaßen ermöglicht, das Familieneinkommen zu erwirtschaften. Väter legen dabei vor allem Wert auf verlässliche, zeitlich flexible und bedarfsorientierte Betreuungszeiten.

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Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Männer-Perspektiven. Auf dem Weg zu mehr Gleichstellung?, Berlin 2017, www.bmfsfj.de

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