Wie erleben Kinder Trennung und Scheidung?

Die meisten Kinder sind bereits mit dem Thema Trennung und Scheidung in Berührung gekommen – im Kindergarten, in der Schule, in der Nachbarschaft. Die Trennung und Scheidung der eigenen Eltern jedoch bedeutet für sie eine völlig neue Situation, Verunsicherung, oftmals sogar die komplette Änderung ihrer Lebensgewohnheiten.

Zu Beginn
Meistens können Kinder ahnen, dass zu Hause mit den Eltern etwas nicht stimmt, wenn Streitereien, Gereiztheit oder Traurigkeit sich im Familienleben bemerkbar machen. Sie können es sicherlich nicht deuten, aber dennoch spüren, dass die Eltern in einer Krise stecken.

Wenn der Entschluss zur Trennung feststeht, sollten Eltern das Gespräch mit ihren Kindern suchen. Denn schon jetzt können Kinder verunsichert sein oder Angst haben, Mama oder Papa zu verlieren. Beide Eltern sollten gemeinsam ihrem Kind altersgemäß erklären, was passiert ist. Das Kind wird höchstwahrscheinlich Fragen stellen. Versuchen Sie diese wahrheitsgemäß zu beantworten. Geheimnisse ängstigen mehr als sie bei diesem Thema nutzen. Erklären Sie dem Kind, was sich zukünftig ändern wird und was wie bisher so bleibt.

In vielen Gesprächen wird Ihr Kind Ihnen auch sagen wollen, wie es ihm geht, was es braucht, sich wünscht und wovor es sich ängstigt. Das Kind leidet vielleicht an eigenen Schuldgefühlen. Nehmen Sie dem Kind die Last, dass es an der Trennung eventuell schuld ist. Die Trennung ist allein eine Entscheidung der Eltern und hat mit der Liebe zum Kind nichts zu tun. Kinder können selten akzeptieren, dass Eltern sich trennen und ein Elternteil auszieht. Auf jeden Fall wird sich das Leben für das Kind verändern. Auch wird es für sie nicht einfach sein, sich an die neue Lebenssituation zu gewöhnen. Wichtig ist jetzt, dass die Eltern versuchen, den Kindern weiterhin Halt und Orientierung zu bieten. Jedes Kind bewältigt die Trennung seiner Eltern anders. Es gibt alterstypische Reaktionen, die man bei fast allen Kindern beobachten kann.

Sehr kleine Kinder verhalten sich häufig aggressiv oder ängstlich und lassen Mutter oder Vater kaum noch aus den Augen. Auf den Verlust von Sicherheit und Schutz, von Geborgenheit und Nähe reagiert das Kind oft mit diffusen Ängsten, verlassen zu werden. Das Bedürfnis, sich die Welt zu erobern, nimmt rapide ab. Häufige Entwicklungsrückschritte können das Einnässen oder das (Wieder-)Verlangen nach dem Schnuller beispielsweise sein. Dieses sind Signale für ein verstärktes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und körperlicher Nähe.

Kinder im Kindergartenalter zeigen ähnliche Verhaltensweisen. Allerdings offenbaren sie stärker ihre Gefühle. Da sie in ihrer Entwicklung sich als "Mittelpunkt der Welt" erleben, glauben sie häufig, an der Trennung der Eltern schuld zu sein. Die Verlassensängste sind stark ausgeprägt. Klammern kann ein äußeres Zeichen sein.

Kinder im Grundschulalter sind eher bemüht, es beiden Eltern Recht zu machen und Einfluss auf die Situation zu nehmen. Die Erfahrung, gerade daran zu scheitern, kann zu großer Frustration führen. Diese Ohnmacht kann sich dann in Zorn, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit bis hin zu einer Depression zeigen. Schulische Leistungen lassen nach.

Ältere Schulkinder sind sehr besorgt um beide Eltern. Sie übernehmen Pflichten und Verantwortung, die oft ihrem Alter nach unangemessen, also zu groß sind.

Pubertierende Jugendliche zeigen sich ihrem Alter gemäß oft sehr widersprüchlich. Sie beginnen durch Probehandeln eigene Werte und Normen zu entwickeln. Sie suchen die Abgrenzung zu den Eltern. Sie versuchen sich ein eigenständiges Urteil zu bilden, was für sie Gut und Böse ist. Sie können sich sehr einfühlsam gegenüber den Beziehungsproblemen der Eltern zeigen. Andererseits können sie aber auch ihre große Enttäuschung über die Trennung der Eltern ausdrücken. Der Verlust der Familie wiegt schwer und verunsichert viele Kinder, die jetzt zu ihrer Selbstfindung ein besonderes Maß an Zuwendung und Verlässlichkeit benötigen.

Ältere Jugendliche können sich schneller verpflichtet fühlen, in eine Erwachsenen-Rolle zu schlüpfen. Diese kann sich in konfliktreichen Ablösungsversuchen äußern, die meist nicht gelingen. Das Gegenteil kann ebenfalls eintreten. Die Ablösung von Elternhaus kann verzögert, erschwert oder sogar verhindert werden.



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Beratung und Hilfe

Bei Erziehungsschwierigkeiten oder Entwicklungsstörungen, die sich infolge der Trennung und Scheidung ergeben können, finden Sie kostenlose Beratung und Hilfe in den Beratungsstellen der kommunalen und freien Träger. Auch das Jugendamt kann hier weiterhelfen. Einen Überblick über die Beratungsstellen vor Ort finden Sie unter www.dajeb.de.

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