Familienbildung und Familienberatung:
Väter besser erreichen

Familienbildung und Familienberatung leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Stärkung von Familien in Deutschland. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer von der PrognosAG durchgeführten Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

Die bundesweite Bestandsaufnahme basiert auf einer Befragung von insgesamt 2.188 Einrichtungen (unter anderem Einrichtungen der Familienbildung wie Familienbildungsstätten, Kinder- und Familienzentren; Einrichtungen der Familienberatung wie Erziehungsberatungsstellen, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen; Selbsthilfeorientierte Einrichtungen wie Mütterzentren, Mehrgenerationenhäuser; Koordinationsstellen wie der Allgemeine Soziale Dienst). Bezugsjahr ist im Regelfall das Jahr 2019, bei den Fragen zur Coronapandemie das Jahr 2020.

Die umfassende Studie gibt Aufschluss über Strukturen, Zielgruppen, Themen und Angebote der Familienbildung und Familienberatung in Deutschland.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Familienbildung und Familienberatung haben eine große Reichweite: Rund 1,6 Millionen Menschen werden durch Angebote der befragten Einrichtungen im Jahr 2019 erreicht; Beratungsleistungen wurden zudem in 630.000 Fällen angeboten
  • Familienbezogene Präventionsangebote wurden vor allem in der Familienbildung umgesetzt. Zahlreiche niedrigschwellige offene und aufsuchende Angebote wurden realisiert.
  • Neben Angeboten zur Stärkung der Erziehungs- und Alltagskompetenz wurden in der Familienbildung von den befragten Einrichtungen im Jahr 2019 folgende Themen als (sehr) wichtig eingestuft: Integration (69 Prozent), die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie (64 Prozent) und Medienbildung (60 Prozent)
  • Die meisten der befragten Einrichtungen bieten individuelle Beratungsangebote an, überwiegend die Einrichtungen der Familienberatung. Eine (eher) hohe Inanspruchnahme bestand im Jahr 2019 bei Beratungen zu den Themen Trennung und Scheidung (69 Prozent), zu Belastungen von Kindern und Jugendlichen durch familiäre Konflikte und/oder Problemlagen der Eltern (59 Prozent) sowie zur elterlichen Erziehungskompetenz (57 Prozent).
  • 43 Prozent der befragten Einrichtungen setzten im Jahr 2019 Angebote zur Bildungsbegleitung um (zum Beispiel Einsatz von Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern, Stadtteilmüttern, niedrigschwellige Eltern-Gruppen an Kitas und Grundschulen, Sprachbildung).
  • Alleinerziehende (66 Prozent) und Paarfamilien (64 Prozent) nahmen Angebote der Familienbildung und Familienberatung hoch in Anspruch und werden damit besonders gut erreicht.
  • Familien in unterschiedlichen sozialen Lebenslagen werden angesprochen: In den befragten Einrichtungen werden Angebote mehrheitlich von Personen mit niedrigem (42 Prozent) und mittlerem (42 Prozent) sozialen Status in Anspruch genommen (2019).
  • Die Teilnehmenden sind mehrheitlich weiblich; der Väteranteil liegt bei 22 Prozent (2019).
  • Familienbildung und Familienberatung sind Teil einer vernetzten familienbezogenen Infrastruktur in den Kommunen: Die wichtigsten Kooperationspartner für Familienbildung und Familienberatung waren im Jahr 2019 Jugendämter, gefolgt von Kindertagesstätten, Frühen Hilfen und Schulen.
  • Trotz der Coronapandemie ist es gelungen, den Kontakt zu Familien aufrechtzuerhalten. Zwei Drittel der befragten Einrichtungen haben im Jahr 2020 erfolgreich neue Angebote geschaffen - insbesondere im digitalen Raum. Auch aufsuchende Angebote wurden im Bereich der Familienbildung verstärkt umgesetzt. Eine eingeschränkte Erreichbarkeit wird von einem Drittel der befragten Einrichtungen für Familien mit Migrationshintergrund und für Familien mit wenig Internetkenntnissen festgestellt.

Die Studie zeigt Handlungsbedarfe in verschiedenen Feldern auf:

  • Ausbau der Angebote: Das betrifft vor allem sensomotorische Angebote und Angebote rund um die Geburt sowie Angebote der Bildungsbegleitung, beispielsweise im Rahmen der Weiterentwicklung des Bundesprogramms "Elternchance". Niedrigschwellige offene und aufsuchende Angebotsformate sind zu favorisieren, weil sie den Zugang zu den Zielgruppen fördern.
  • Insbesondere Familien mit Migrationshintergrund sowie geflüchtete Familien, aber auch Väter, gilt es noch besser zu erreichen. Hierfür sind beispielsweise sozialraumorientierte Angebote und Kooperationen auszuweiten und Angebotszeiten anzupassen.
  • Kooperationen für eine präventiv orientierte familienbezogene Infrastruktur vor Ort sind zu intensivieren. Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Kitas sollten verstärkt für den Bereich der Grundschulen genutzt werden.
  • Die Bedeutung von Familienbildung und Familienberatung in der kommunalen Planung der Kinder-und Jugendhilfe sollte durch einen stärkeren Einbezug der Jugendämter und eine Verankerung von Präventionsketten vor Ort gestärkt werden.

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Kurzfassung der Studienergebnisse zum Download auf der Website des Bundesprogramms Elternchance unter www.elternchance.de

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